»Schlimm genug«, sagte das Mädchen lächelnd, »für ihn und für Sie. Er ist ein alter Fuchs, der nicht mehr aus seiner Höhle kriecht, man muß ihn schon aufsuchen. Er will nichts von Ihnen wissen.«
Dann sprachen sie von der Jagd, vom Fischen und vom nahenden Herbst.
Helmut hatte seit einiger Zeit unterlassen, ihr die Lobsprüche über ihr Wesen zu sagen, zu denen sie sein empfängliches Herz Stunde für Stunde herausforderte. Er nahm die glückhafte Gelassenheit ihres schönen und starken Wesens wie eine Wohltat hin; still geworden in der bitteren Erkenntnis, wie teuer ihm dieser neue Reichtum seines Daseins geworden war. Er verglich nicht mehr. Sein schmerzvolles Angesicht hatte einen Zug jenes einsamen Gehorsams bekommen, der willenlose und ehrfürchtige Naturen auszeichnet, die bestimmt scheinen, niemandes Schicksal zu werden.
»Wie ist es mit Melchior?« fragte er.
»Er wird bleiben«, gab sie einfach zurück; diese Auskunft schien ihm zu genügen.
»War dies das Pferd meines Oheims?« fragte er nach einer Weile und klopfte den blanken Hals des Tiers, das er ritt.
Afra schüttelte den Kopf.
»Dies ist >Prinz<«, teilte sie mit, »es taugt nicht viel. Er nahm es in seiner letzten Zeit zuweilen für kurze Ritte, wenn er sich mehr mit seinen Gedanken beschäftigen wollte als eben mit dem Reiten. Nein, sein eigenes Pferd war ein prachtvolles Tier von großem Wert, ich habe es kürzlich verkauft.«
»Warum das?« fragte er ohne Unwillen.
»In den letzten Monaten«, erzählte ihm Afra, »ließ er es sich Tag für Tag nur noch vorreiten. Für gewöhnlich mußte Martin es tun, der etwas von Pferden versteht, denn er selbst hatte nicht mehr die Kraft, das unruhige Tier zu beherrschen. Aber selbst unter dieser Pflege ließ es nach, es schien beinahe, als würde es traurig. — Wer sollte es denn jetzt reiten?«