Sie sah mit einem raschen Blick über ihn hin. Er raffte sich zusammen.
»Ja«, sagte er, »ich selbst gewiß nicht. Seit meiner Studentenzeit habe ich auf keinem Pferd mehr gesessen. Für eine wirklich edlere Rasse hätte ich wohl auch kaum den rechten praktischen Sinn.«
Sie schien das zuzugeben.
»Und Sie selbst«, fuhr er fort, »warum haben Sie es nicht genommen?«
»Ich?« fragte sie nicht ohne Erstaunen. Dieser Gedanke schien ihr ganz neu zu sein. »Wie sollte ich ... auch habe ich >Joni< von ihm selbst bekommen und will kein anderes Pferd als dies, das er für mich bestimmt hat. Er hat es mir zugeritten, die Narben dort in den Flanken stammen von seinen Sporen.«
Sie schaute hinab und suchte, halb von unten her, nach seinem Blick, ob er ihren Augen folgte. Er sah ihr klares Profil im goldenen Schatten des breitrandigen Strohhuts, die kindhafte Wichtigkeit in seinem Ausdruck und das reine Licht auf ihren Augenlidern. Eine glühende Traurigkeit überfiel ihn jählings wie ein Sturm aus den einsamen Landschaften seiner Träume. Mit schwermütigem Ausdruck hob er sein Angesicht empor, und mit bitterem Lächeln, das Haupt ein wenig zurückgelegt, sagte er in der planlosen Ergebenheit seiner Schwäche:
»Ich möchte keinen Tag mehr leben ohne dich, Afra.«
Man hörte die Hufe der Pferde auf dem weichen Boden und die heimlichen Laute des Lederzeugs der Sättel. Ein Häher flog mit grellen Warnrufen dicht vor ihnen quer über den Weg, und die Spitzen der Weiden schaukelten im sanften Wind.
Nach einer kleinen Weile fuhr Afra zu sprechen fort, vorsichtig, beinahe schüchtern, als empfände sie, wie hart es ihm sein müßte, daß sie nach diesem Ruf seines verwundeten Herzens nun nichts anderes tun konnte als das Gespräch von vorhin wieder aufnehmen:
»Nathanael hat das Pferd gekauft. Er hat eine sehr große Summe bezahlt, ich glaube, er hat seit langem einen Käufer, denn er selbst versteht nur etwas von Ackergäulen und wie man ihre Fehler in Abrede stellen kann.«