»Das glaubt mir niemand.«

Gepeinigt sah er auf.

»O Afra, wie könnte etwas in dieser armen schönen Welt mir wertvoller sein als deine Freude? Wie schlecht kennst du mich, wie wenig wirst du jemals von mir wissen. O du, aller Liebe so nah, der Liebe so fern, wie du bist. Was wollte Gott mit uns, als er dein armes, reiches Herz erschuf. Oft erscheint es mir, als sei der alte Mann, der im Licht deiner herrlichen Jugend seine Augen geschlossen hat, mir lieb geworden wie ein vertrauter Freund. Entbietest du Liebe in unseren Herzen, um sie durch deine Härte um so inbrünstiger in uns zu gestalten? Ich weiß es nicht, aber ich werde gehorsam sein dem Besten in mir und ihm, dessen Erbteil ich habe antreten müssen. Ich habe nicht gewußt, was ich mit seinen Gütern, zu denen auch du gehörst, auf meine Schultern geladen habe. Schau mich nicht an, als ob ich klagte, Afra. Ich weiß auch, daß mein Schicksal und das Schicksal der Frau, deren Leid du gesehen hast, das Himmelreich deiner harten Unschuld nicht verfinstern darf. Ich fordere nichts von dir, was du nicht geben kannst, aber meinen Wunsch, du möchtest mich lieben, wirst du niemals aus meiner Seele löschen können.«

»Ich habe dich nicht traurig machen wollen«, sagte Afra.

Ihm war, als sagte sie zum ersten Male du zu ihm.

»Traurig?« rief er mit schmerzvollem Lächeln. »Ach nein. Aber wie willst du verstehen können, daß uns die Liebe beseligt und bedrängt zugleich.«

»Oh, das verstehe ich wohl.«

»Auf deine Art, Afra. Es wird wohl ein jeder sagen, er verstünde es. Mit verzehrendem Grauen warte ich auf die Stunde, in der du weißt, was die Hingabe an einen Menschen bedeutet. Diese Furcht ist ganz ohne Hoffnung, Afra, denn diese Stunde wirst du ohne mich erleben, diese Stunde, die dich grenzenlos reich machen wird. Sieh, so lieb habe ich dich gewonnen, daß ich niemals daran zweifeln werde, daß sie für dich kommt, daß dein Herz, das im Schlaf seiner kaum erwachten Hoffnungen schlägt, dieser einzigen Gewalt und Kraft fähig ist, die uns reich macht.«

Da stellte Afra die Frage:

»Wie muß ich denn sein, damit mir das geschieht?«