»Donnerwetter«, sagte Friedel ganz verdutzt, »du bist wahrhaftig noch der alte. — Du solltest aber nicht vergessen, daß ich das im Grunde weiß. Ist es nicht richtig, daß ich mit allem Innerlichen, sozusagen mit meinen Herzensangelegenheiten, immer zu dir gekommen bin? Sag selbst ...«
Helmut mußte wider Willen lächeln.
»Ja«, sagte er, »es soll auch künftig kein Gebot ergehen, daß die Ablagerung von Schutt bei mir untersagt ist, aber tritt dabei nicht auf die Beete.«
Friedel lachte.
»Weißt du, wenn ich solche Scherze machen könnte wie du, täte ich es häufiger.« Aber dann wurde er plötzlich traurig und sein Gesicht, dies unstreitig hübsche Gesicht eines gealterten Knaben, verzog sich voll trotziger Bekümmernis.
»Es ist wahr«, meinte er, »ich bin ein Lump, einfach ein Lump. Aus mir wird nichts mehr. Die Zeit ist verpaßt. Ich bin jetzt dreißig Jahre alt und habe es zu nichts gebracht, bei all meinen Anlagen. Ich habe keine Hände zum Zugreifen, bin gewissermaßen ein Mensch ohne Schubladen, nichts bleibt bei mir, ich kann nichts bewahren.«
»So bewahre dir dein gutes Herz«, sagte Helmut, und es kam etwas von jener tiefen, leidenden Güte in seine Augen, die den Freund überwunden hatte, so oft sie ihm begegnet war und so lange er zurückdenken konnte. —
Als am anderen Tage Helmut, Elsbeth und ihr Gast auf der Terrasse, die zum Garten hinunterführte, vereint beim Nachmittagskaffee saßen, sagte Friedel:
»Ihr lebt hier in einem merkwürdigen Halbschlummer der Erwartung, man hat stets das Gefühl, als käme noch irgend etwas.«
Das Schweigen, das eintrat, bedrückte ihn weiter nicht, und er fuhr fort, große Pläne zum Ausbau und zur Erweiterung der Vorteile zu entwerfen, die man aus einem Landgut dieser Art ziehen könnte. Eigentlich war Helmut seinen Fragen über den Wert Wartaluns und über die Art seiner Betätigung ausgewichen. Wohl hatten sie weite Ritte miteinander gemacht, und der junge Gutsherr hatte, keineswegs ohne ein wenig Stolz und mit sichtlichem Wohlbehagen, über dies und jenes geplaudert, aber da Afras Name nur beiläufig gefallen war, konnte sich der Freund immer noch keine rechte Vorstellung von Helmuts Art der Verwaltung seines Guts machen.