Sie hatten sich den Weg, der am Ende des Parks in den Wald überging und der nach der Försterei führte, als gemeinsamen Spaziergang erwählt. Der Förster sah ihre regelmäßigen Besuche gern, und seine alte Haushälterin servierte ihnen den Nachmittagskaffee unter den Buchen der Kuckucksburg auf dem moosbewachsenen Waldgrund. Die Jagdhunde kannten sie bald, besonders ein betagter Teckel, den viele ehrenvolle Narben schmückten, hatte sich an Friedels Kindergemüt gewöhnt und ließ es sich gefallen, daß er in seinen späten Tagen noch einen Gefährten seiner altmodischen Interessen bekam.

Friedel ließ es sich anfangs aufrichtig angelegen sein, Elsbeth zu zerstreuen, aber nachdem er einmal gemerkt hatte, daß sie im Grunde nicht fähig war, auf ihn einzugehen, erlahmte seine gute Absicht und wich mehr und mehr seinem Drang, bei ihr Trost und Verständnis zu finden. Er sprach oft und auf bislang nicht gekannte Art von seinem eigenen Leben, er erzählte ihr viel und malte seine Jugend hoffnungsreich und glanzvoll aus, wie es junge Männer oft tun, die ihre besten Aussichten früh verscherzt haben. Zögernd begann auch die junge Frau von sich zu sprechen, und je mehr sie glaubte Teilnahme zu finden, um so mehr ließ sie sich willenlos gehen, und so wurde Afra bald die heimliche Begleiterin der beiden Betrübten. Einmal war es spät geworden, da die junge Frau von Tag zu Tag mit größerer Mühe und immer schwerfälliger dahinschritt, als sie dicht am Park auf jener Bank rasteten, die einst Helmut und Afra bei ihrer ersten Begegnung beherbergt hatte.

»Friedel«, sagte sie da plötzlich mit veränderter Stimme, »könntest du eine Möglichkeit ersinnen, Afra von Wartalun zu entfernen?«

Friedel erschrak. Seine Gedanken waren bei Afra gewesen, die ihm am Morgen zu Pferd begegnet war. Er sagte:

»Darüber müßte ich nachdenken.«

»Helmut ist so eigensinnig. Ich weiß ja, Friedel, im Grunde liebt er sie nicht. Wie ich es bei ihm kenne, daß er sich voreilig in eine Idee verrennt, aus deren Irrtum er stets zurückgekehrt ist.«

»Hat er denn sonst mit Frauen jemals etwas erlebt?«

»Mit Frauen eigentlich nicht, aber mit so mancherlei anderen Dingen ist es ihm so ergangen.«

»Eine Frau ist kein Ding«, meinte Friedel weise, »da liegt es hier wohl doch anders. Von Afra habe ich den Eindruck, daß sie nicht über sich verfügen läßt.«

»Welche Rechte hat sie denn?«