»Er würde dir jedenfalls antworten, daß der Junge selbst für sich zu sorgen hätte und einst sein eigenes Teil und Recht finden würde.«

»Und das nennst du gerecht?«

»Ich weiß nicht. Es kann ja niemand einem andern helfen ...«

Das sah Frau Elsbeth wohl in diesem Augenblick auch schmerzvoll ein, denn sie antwortete traurig:

»Er versündigt sich an seinem Kind. Diese Gerechtigkeitsgefühle ins Blaue hinein sind Entschuldigungen. Die Gerechtigkeit eines Menschen bewährt sich doch wohl in den Grenzen der Pflichten, die sein Leben ihm auferlegt. Weist nicht die Natur ein Kind für lange Jahre auf den Vater an?«

Das ging Friedel zu weit. Er schob sein Herz in den Vordergrund, da seine Gedanken ihn im Stich ließen, und sagte etwas armselig, indem er den Kopf stützte:

»Ich verstehe dich ja ...«

Aber ihn versteh' ich auch, dachte er und empfand, daß das Leben wohl unzulänglich sein müsse und daß nichts vollkommen sein könnte, solange der Kampf um Genuß und Glück die Sinne betäubte.

»Übrigens«, warf er ein und nahm einen Einwand der jungen Frau wieder auf, »von Ehebruch kann nicht die Rede sein.«

»Das hoffst du selbst«, wurde ihm schroff zur Antwort.