Haltlos tastete Helmut auf dem Schreibtisch umher, ergriff zitternd einen beschriebenen Bogen, der die Siegel des Amts von Cismaren trug, und in einer leidenschaftlichen Gebärde der Hingabe, die etwas von dem Krampf eines berauschten Gehorsams gegen die heiße Wirkung des Mädchens hatte, schlug er ihr das Papier entgegen, daß es hörbar in der Luft flatterte.

Sie nahm es bestürzt mit großen, wachsamen Augen, die ihn beinahe warnend musterten, und ohne zu sprechen.

»Lies«, rief er bebend.

Sie sah ihn immer noch an, änderte plötzlich ihre Haltung, so daß sie weniger leichtfertig war, zog ihren Fuß zurück und glättete mit einer unbewußten Bewegung der Hand ihr Kleid über dem Knie. Dann lehnte sie sich etwas ins Licht zurück und begann langsam zu lesen.

Helmuts Herz pochte schmerzhaft. Er empfand, daß diese Art der Darbietung wie ein Raubanfall an eine Gegenleistung scheinen mußte. Er schämte sich tief, aber irgendein leidender Zorn hinderte ihn an jeder gütigen Gelassenheit. Man stirbt nicht liebenswürdig, dachte er. Glaubst du, ich schenkte dir irdische Güter, meinst du, die Äcker bekümmern mich, oder die Herden?! Was mich bekümmert, ist der Tod ...

»Hallo!« Afra war aufgesprungen und stand kerzengerade vor ihm. Ihre Augen leuchteten wildherzig und froh:

»Also Wendalen ist jetzt mein Eigentum?!«

»Ja«, sagte er schwankend und ohne Fassung, »es bedarf allerdings ... noch einer Formalität ... Du mußt mit mir nach Cismaren ...«

»Das macht ja nichts. Also ... vielen Dank!«

»Bitte«, sagte er.