Afra sprang auf. Mit einer einzigen Geste schien sie die Herrschaft über die Nacht an sich zu reißen:
»Laß dein Geschrei!« Sie war mit wenigen Schritten bei dem Mädchen, und obgleich sie es hart anfuhr, richtete sie die Zitternde freundlich auf, die vor Erregung und Angst in die Knie gebrochen war. Dann ergriff sie Helmuts Arm:
»Wo willst du hin? Du kannst dort nicht helfen. Komm hinab, hilf mir!«
Die Ernüchterung aller war wie mit einem Schlag eingetreten. Iduna wurde zurückgeschickt, und sie ging gehorsam, die entsetzten Blicke bis zuletzt in Afras Gesicht, deren Wille sie gehorsamer machte als jemals ein anderer. Unten im Hof war es in wenig Minuten lebendig. Afras beherrschte, beinahe frohe Hast ergriff das erwachte Haus. Martin mag im Leben kein Aufstehen schwerer geworden sein als dies, aber der Eifer seiner Herrin belebte ihn, daß er Wein und Müdigkeit vergaß.
»Rasch! Du mußt nach Wartaheim! In einer halben Stunde bist du da, hast du verstanden! Nimm >Husar< und >Prinz< und schlag drauf, was dein Arm aushält. In einer halben Stunde, verstehst du?! Nicht eine Minute weniger brauchst du!«
Sie sattelte Joni selbst. Zwei Knechte halfen ihr. Das edle Tier wurde von der Unruhe ergriffen und war schwer zu halten.
Martin zog den leichten gelben Landwagen aus der Remise. Dann überließ er alles den anderen und half Afra. Der Mond leuchtete.
»Willst du reiten? Wohin willst du reiten?«
»Zum Arzt, die Frau Gräfin ... bekommt ihr Kind. Zieh an! Fester.«
»Nein«, sagte Martin, »so fest darfst du den Gurt nicht ziehen.«