Afra trat zurück und ließ den Burschen machen.

»Wir warten auf dem Kirchplatz!« sagte sie. »Der Arzt und die Amme müssen in unseren Wagen. Fahr wie der Teufel. Ich verlaß mich auf dich. Marsch, sorg für den Wagen! Ich sorge in Wartaheim dafür, daß alles zur Stelle ist.«

Joni stieg empört. Afra gewann den Sattel mit Mühe, und Martin mußte ihr noch einmal zu Hilfe eilen.

»Ich danke dir, Afra ...« Helmut versuchte ihre Hand zu ergreifen, es gelang ihm nicht. Er sah nur Afra, er dachte nur an sie. »Hüte dich ... reit nicht zu wild ...«

Es antwortete ihm ein heller Ruf. War's ein Zuruf an das Pferd, ein Abschiedswort ... er wußte es nicht. Er sah nur Joni anspringen mit einem langen Satz, so daß die Reiterin weit nach hinten flog, aber sie gewann wieder Sitz, und der hohe Rachen des Tors verschlang diesen hellen Triumph von Hast und Willen.

Taumelnd stürzte Helmut, von Friedel gefolgt, vor das Tor. Ein klirrender Sturmwind riß draußen in einem schaukelnden Flug Pferd und Reiterin auf dem hellen Band der Straße in die mondflimmernde Nacht hinaus. Auch Martin vergaß in diesem Augenblick alles andere, er stand im Tor und starrte Afra nach, vorgebeugt, beide Hände an den Schläfen:

»Jetzt«, keuchte er, »jetzt ... jetzt ...«

»Was denn?« stieß Helmut wie im Fieber hervor.

Aber da schien es geschehen: Martin stürzte mit einem wütenden Aufschrei vor, der zugleich etwas von einem todesbangenden Jauchzen der Begeisterung hatte. Draußen klang die Nacht nicht mehr. Die Straße war leer.

»Teufel, o Teufel!« schrie Martin und bearbeitete die Luft mit den Fäusten. »Sie reitet durchs Moor!«