»Schweig«, rief Helmut, »du bist frivol.«

»Ich berichte Tatsachen. Als dann Afra zehn Jahre alt war, soll er es aufgegeben haben, vielleicht auch, weil er alt geworden war. Weißt du, daß der Förster sagt, Afra sei die Tochter des Grafen Konstantin?«

Helmut erbleichte.

»Leutegeschwätz«, stammelte er.

Friedel sah ihn groß und lange an.

»Scheint mir nicht. — Die Frau dieses Gärtners, Garting oder wie er heißt, soll sehr schön gewesen sein. Nicht nur das. Eines Tages ging sie mit irgendeinem Luftikus auf und davon und ließ ihre alternden Verehrer im Vorder- und Hinterhaus samt ihrem Wickelkind im Stich. Aus dem Bündel entwickelte sich Afra. Stammt sowas aus der Hefe des Volks? Sag selbst.«

Helmut fühlte sich durch irgend etwas schmerzlich berührt, ihm war, als zögen Friedels Worte alles in den Alltag, für jenen gab es nur faßbare Tatsachen, mit ihrer Feststellung erledigte er die Dinge, ohne ihr Wesen zu empfinden.

»Laß mich in Ruh«, sagte er gereizt, »es ist mir gleichgültig, woher Afra stammt.«

Friedel, der gewohnt war, in Helmuts Verstimmungen Vorwürfe gegen sein Verhalten zu suchen, lenkte ein:

»Sieh mal«, meinte er, »du mußt nicht denken, weil ich oft so leichtfertig spreche, ich sähe deshalb den Dingen nicht auf den Grund. Meinst du, ich erkennte immer nur die Außenseite? Kein Gedanke. Ich fühle genau, was sich hier vollzieht. Es ist etwas wie eine große, heimliche Rache. Die Verhältnisse haben sich umgekehrt. Jetzt sind wir daran, zu erliegen, vielleicht ähnlich, wie es früher die Frauen waren, die hier ihr Schicksal erlitten haben. Mich für mein Teil hat's an der Gurgel ...«