Er zog die Hand zurück.

Seine Überraschungen dauerten an, als Martin kam und als er später den alten Melchior in seiner Staatstracht sah. Die roten Röcke leuchteten, und die Livreeknöpfe blinkten. Die Kniehosen aus schwarzer Seide, die Schnallenschuhe und die weißen Strümpfe gefielen ihm wohl, es faßte ihn für einen Augenblick ein froher Taumel von Machtbewußtsein und Würde. Auf ganz neue Art bewunderte er Afra, und ihm war, als wüßte er erst nun, welch eine Ungeheuerlichkeit die Gelassenheit gewesen war, in der sie Wendalen als ihr Eigentum anerkannt hatte. Martins Augen glänzten, wenn er zu Afra aufsah. Es kam Helmut bei aller Befangenheit, in die diese Begebnisse ihn brachten, im Augenblick in den Sinn, was er über den Burschen und die Mädchen des Guts gehört hatte. Er verlachte die Leichten alle ...

Nun brachte er die Nachricht, daß die Leute warteten und ob sie mit dem Ständchen zu Ehren des Herrn Grafen beginnen dürften. Das war stets der Anfang; Helmut ordnete nervös an seiner Krawatte. Er stand in seinem einfachen schwarzen Rock so schlicht und abseitig neben Afra, ihm war, als warteten alle nur auf sie.

»Was erwartet man von mir?« fragte er.

Das Mädchen winkte Martin hinaus, dann sagte sie:

»Du mußt ein paar Worte sprechen.«

»Das kann ich nicht, die Leute verstehen mich nicht. Ich mache sie nur befangen und erfreue niemand.«

»Ja«, sagte Afra. »So werde ich es tun.«

Er fühlte, daß sie mit seiner Weigerung gerechnet hatte. Einen Augenblick wallte es heiß in ihm empor, aber als er Afras Hand sah, wie sie leicht geballt, hellbraun und zart und aller Fassung gewiß an ihrer Hüfte ruhte, ergab sich sein ehrfürchtiges Herz gehorsam dem beschwingteren Willen und dem höheren Recht. Hier, wo nun alles um ihn her im Geist des Toten auferstanden war, wagte er der heimlichen Herrlichkeit dieses großen Lebendigen von Wartalun nicht zu trotzen.

Auf dem Vorplatz zur Terrasse waren die Leute, sommerlich geschmückt und in festlichen Kleidern, versammelt. Die Kinder standen im Vordergrund, ihre bunte Schar war durch die Wartaheimer Schuljugend zu einem Chor ergänzt worden, und der Lehrer, der ihnen ihr einfaches Lied eingeübt hatte, stand steil und überragend in seinem Gehrock neben ihnen. Dann kamen die Reihen der Mädchen und Frauen, die Burschen und Männer bildeten den Hintergrund. Zu diesem Feste versammelten sich auch noch ein letztes Mal die fremden Arbeiter, die nur für die Erntezeit angeworben waren und die nun wieder in die Weite mußten. Als Melchior die hohen Glastüren der Veranda öffnete, die zur Terrasse hinausführten, und Helmut neben Afra das Plateau betrat, empfing sie, in verwirrender Inbrunst, der blecherne Jubel der Dorfmusikanten, die Frauen und Mädchen schwenkten ihre Tücher, und die Männer zogen die Hüte und reckten sie in die Luft. Da wandte sich Afra mit einem bezaubernden Lächeln und in vollkommener Anmut zu ihm herab und sagte leichthin und fröhlich: