»Wir müssen nachher alle noch einmal hinuntergehen«, sagte Afra, »es ist ein lustiger Anblick, und man sieht die Leute unbefangener als sonst.«

Sie wandte sich an Friedel:

»Aber deine Geige laß bei uns hier oben.«

»Doch«, gab er stolz und glücklich zur Antwort.

Friedel liebte in dieser Zeit und für jede künftige seine Geige zärtlicher als je. Er dankte ihr die kurzen Tage seines Daseins, in denen Afra in ihm einen Menschen von besonderem Wert gesehen hatte, er dankte es ihr, daß Afra ihm lauschte, daß sie ihn anhörte und ihn in ihrer Nähe litt, indem sie sich für kurze Augenblicke seinem Spiel anvertraute. Sie hörte durch seine Geige seinen Kummer und das traurige Bekenntnis seiner in den Staub sinkenden, tatenlosen Jugend.


Helmut schlief am kommenden Morgen nicht. Es war sehr spät geworden, ihm war, als er an das geöffnete Fenster seines Zimmers trat, als zeigte sich schon ein matter blauer Schein des nahenden Tages am Himmel. Spiel, Gesang und Tanz lagen ihm noch in den Ohren, eine schmerzhafte Aufgewühltheit seiner Sinne ließ ihn keine Ruhe finden, obgleich der Wein ihn beherrschte. Wenn er die Augen schloß, wogten die hellen Bilder der verflossenen Nacht an ihm vorüber, die drehenden Paare, die goldenen Trompeten, die alles in so aufdringlicher Herrschsucht überschmetterten, und die hellen Stimmen der Geigen, die diese schwerfälligen Laute ablösten und emporzuziehen trachteten. Er hörte wieder Friedels helles Lachen, der sich zuletzt unter die Tanzenden gemischt hatte und sich mit Martin um die kleine Iduna stritt, die zu dieser Feier seit langem zum erstenmal wieder Stunden der Freiheit durchkostete. So mußte es Elsbeth um vieles besser gehen. — Er lehnte sich müde an das Fensterkreuz, wie wollte dies alles enden?

»Was tue ich mit meinem Leben?« —

»Bitte schön, bitte schön«, sagte Martin wieder und verbeugte sich, »ich trete alles an Sie ab, was zu Ihnen will.« Er sah sie wieder zu dreien bei der Musiktribüne stehen, Friedel die Hände in den Taschen. —

Fern von den Feldern herüber klang durch die davonziehende Nacht Gesang, derbes Lachen und Grölen. Unten war alles still geworden, die erloschenen Lampen bewegten sich mit leisem Rascheln im Windzug unter der Linde. Die Saaltüren standen auf, es war noch Licht unten.