Durch alle Bilder, die ihn bedrängten, schritt Afras Gestalt. Zuweilen hatte er geglaubt, unter der Einwirkung des Weins in ihrem Gesicht einen feinen Zug beseligter Hingabe an die Daseinsfreude dieser Stunden gespürt zu haben. Er haßte sie in ihrer Gelassenheit, so sehr er sie darin bewunderte, und sein Verlangen ging darauf aus, sie ein einziges Mal nur in leidender Preisgabe den Mächten unterworfen zu sehen, denen er erlag. — Wenn ich ihr gewaltsam einen schamlosen Streich spielte, so schamlos und armselig, wie meine Not mich macht ...
Unten wurde die Verandatür aufgestoßen.
»Nein, nein«, hörte er angstvoll rufen, »laß mich! Ich will selbst sehen ...«
Er erkannte die Stimme nicht.
Jetzt rief Melchior, etwas barsch, hinter der fliehenden Gestalt her, die über die Terrasse nieder in den Garten eilte.
Es war Iduna. Sie trug noch ihr weißes Kleid vom Fest, im Lichtschein, der mit ihr aus dem Saal brach, erkannte er deutlich, daß sie den Blumenkranz noch in den Haaren trug, mit dem sie getanzt hatte.
Dann hörte er ihre geängstigte Stimme im Hof, sie rief nach Martin.
Er lächelte, aber er fühlte, daß er dies Lächeln herbeizwang. Es hatte ihn eine düstere Unruhe gepackt, die ihn plötzlich so heftig schüttelte, daß er Kraft brauchte, um nicht ins Ungewisse davonzueilen. Er umklammerte das Fensterkreuz. »Da ist es ja, was ich die ganze Nacht erwartet habe ... töricht, töricht bin ich«, sagte er.
Es wurde unten an ein Fenster geschlagen, so daß schon beim zweitenmal die Scheibe zerbrach. Dann hörte er Martin fluchen. Nein, so ging auch im Rausch niemand vor, den sein Herz zu späten Lustbarkeiten trieb. Martins Stimme verstummte sofort, als ihm ein heftiges Flüstern die Kunde brachte, um dererwillen er geweckt worden war.
Helmuts Herz schlug dumpf und langsam, er fühlte es an den Schläfen und im Halse.