Um Helmut abzulenken und um die Minuten des Wartens zu verkürzen, sagte sie zu ihm:

»>Fenn< ist nicht zu brauchen, er ist ein rechter, lieber Dummkopf, wohl wachsam, weißt du, aber nicht für wichtige Zwecke zu verwenden. — Besinn dich, wir werden sie gesund finden.«

»Sie ist tot. Sie atmet nicht mehr. Ich weiß, daß sie nicht mehr atmet.«

»Helmut, sprich nicht so.«

»Sie ist tot.«

Vom Treppenhaus herauf erscholl gleich darauf ein frohes, erregtes Bellen. Afra nahm den Hund an sich und schickte die anderen hinaus. Das Tier sah sie abwartend an mit seinen klugen Augen, deren warmes, braunes Lebenslicht das Mädchen rührte. Sie strich der Hündin über den dunklen Kopf.

»Es ist eine schwere Aufgabe, >Aja<, mein Hund, dir wird sie leicht werden. Sieh hier!« Und sie ließ das Tier an das Bett der verschwundenen Frau, gab ihr ein Tuch und hielt ihr die roten Schuhe unter die Schnauze, die sie am Lager fand. Dann ließ sie das Tier eine Weile los, und mit dem kurzen, traditionellen »Such, Aja!« öffnete sie die Tür, und als das Tier den Ausgang nahm, mit Bewußtsein, die schwarze Nase am Boden, befestigte sie ihn wieder und ließ ihn voran.

Ihre Hände zitterten nicht mehr, sie war gefaßt, aber ihr ernstes Gesicht sah tieftraurig aus.

Helmut, an ihrer Seite, sah die Dinge dieses heraufdämmernden Tags wie nebelhafte Erscheinungen einer Welt, die keinen Widerhall in seiner Seele fand, aus der er nicht stammte und mit der er keinen Zusammenhang zu haben glaubte. Aus blauen Wolken, die den Erdboden belagerten, hob sich bedrohlich und matt schimmernd Wartalun. Die Schatten in den Mauerwinkeln waren Öffnungen, die zu Abgründen führten, das Tor gähnte in ungewisses Grau hinein. Sie mußten hindurch. Und in allen Regionen, durch die er hindurchschritt, war Afra. Und der Hund, die Schnauze am Boden, den am Halse durch die Leine eingeschnürten Kopf vorgereckt, so daß er den Arm des Mädchens mit sich zog und sie ein wenig gewaltsam und immer in etwas schräger Haltung Schritt für Schritt mitmußte. Bald zögernd und ungewiß, dann in trippelnder Hast über schmale Waldwege dahin, bis plötzlich jemand sagte:

»Kehr um, Helmut ... der Hund will ins Moor.«