Sie stemmte die Rechte leicht in die schlanke Hüfte, schaute über Land, als erwöge sie ernstlich die Antwort, um sie treffend geben zu können. Ihre Art der Herablassung war voll Anmut, von einer holden Sicherheit überlegenen Geistes und frohen Herrentums. Er vergaß, was er wissen wollte, und sah sie bewundernd an.
»Ich habe von dort bis hier fast eine Stunde mit dem Pferde gebraucht, aber Sie sehen, es ist naß. Sie würden zwei Stunden brauchen an einem Tage wie heute. Und der Weg ... kennen Sie den Weg denn?«
»Nein«, sagte er, »ich bin hier fremd, auch muß ich bei solcher Entfernung meinen Plan aufgeben, ich habe nicht gewußt, wie weit es ist, es hätte mich sehr interessiert, da ich diese Frühmorgenstunde nicht besser zuzubringen wußte. Im Schlosse schliefen sie noch alle.«
Afra lächelte. Er sah ihr Lächeln mit Bestürzung. Es wirkte auf ihn wie Sonnenschein im Frühling und wie der traurige Gedanke an einen frühen Tod.
»Es ist nicht ganz richtig, daß alle schliefen. Aber jetzt? Kehren Sie denn jetzt um?«
»Ja«, sagte er, hilflos und so befangen, daß eine heiße Freude am Triumph ihrer Überlegenheit ihr Blut klopfen ließ; sie sprang vom Pferde, und in der überwindenden Unbefangenheit, die ihr Wesen auszeichnete, sagte sie:
»So gehen wir miteinander. Es tut Joni gut, ein wenig ledig dahinzutraben.« Mit der Gerte wies sie auf das Pferd und sagte: »Das ist Joni.«
»Sie stellen mir Ihr Pferd vor, mein gnädiges Fräulein, gewiß, um mich daran zu erinnern, daß ich Ihre große Liebenswürdigkeit angenommen habe, ohne Ihnen meinen Namen zu nennen. Verzeihen Sie mir.«
Und er nannte undeutlich und rasch einen Namen, den sie kaum zu verstehen für nötig hielt, und verbeugte sich dabei, nicht ganz in der üblichen Richtung und auf eine Art, die ihm im Schreiten mißlang.
»Und darf ich auch Sie bitten«, fuhr er fort, »mir die Ehre zu erweisen, zu sagen, wer Sie sind?«