Und in einem auffallend raschen Wechsel ihres Empfindens, wie ihn nur reiche und im tiefsten Wesen beständige Naturen erleben, überkam sie der Sonnenschein eines so jubelnden Frohsinns, daß sie das Ungebärdigste hätte vollbringen können, um diesen plötzlichen Sturm aus ihrem Herzen zu lassen. Sie warf mit dem Arm die Zweige zurück, und indem ihr war, als sänge ihr Blut die hochgemuten Worte: »Bin ich nicht Afra, Herrin von Wendalen und Wartalun, im Vollbesitz meiner herrlichen Jugend und aller Lebenskräfte der Welt..?« ging sie mit mächtigen Schritten quer durch die Tannen und betrat dicht vor dem Fremden den Weg.

Ohne allzu heftig zu erschrecken, sah er beinahe unfreundlich auf und in ihr Gesicht. Seine Züge wiesen ihr Erscheinen etwa auf jene Art ab, wie wohl ein Andächtiger den Blick vom Schemel einer Kirchenbank hebt, wenn ihn ein gedankenloser Eindringling stört. Afra sah nun, daß sein Gesicht einen spärlichen Bart von einer Farbe trug, die vielleicht den Tönen zu vergleichen war, in denen bestäubter und ungeschliffener Bernstein schimmern kann, es war ein ins Unbestimmte gehendes Gelbbraun. Seine Wangen waren in der Tat eingefallen und verliehen seinem Gesicht den Ausdruck von großem Elend. Aber seine tiefliegenden Augen waren von so großer Ruhe und von solch beinahe beseligtem Abglanz einer klaren und beständigen Kraft der Seele, daß Afra, als sie ihren Blick zum erstenmal in seinen senkte, das Gefühl einer ihr ganz neuen und reinen Freude hatte, die dem Bewußtsein gleichkam, für die Zukunft unter den Menschen geborgen zu sein. Diese Augen schienen die heimliche Feindschaft aufzuheben, in der die meisten Menschen einander anfänglich begegnen und über die keine Form der Höflichkeit oder keine noch so gute Absicht zum Wohlwollen völlig hinwegzuhelfen vermögen.

Er erwiderte ihren, durch die erhobene Stimmung, die sie zu Anfang trieb, etwas stürmischen und burschikosen Gruß, indem er seinen Hut zog und etwas unwirsch nickte.

»Guten Abend, guten Abend ...«, antwortete er ihr. Dann hob er seine Hand in die Luft wie ein Prediger und sagte:

»Ich habe noch niemals ein so schönes Schloß gesehen.«

»Woher kommen Sie?« fragte Afra ernüchtert und ein klein wenig auf Heiterkeit gestimmt.

Sein Gesicht verfinsterte sich.

»Das wird doch gleichgültig sein«, meinte er, »ist es nicht erlaubt, hier einzutreten?«

»Doch, selbstverständlich«, beeilte Afra sich, ihn zu versöhnen. Nein, war das ein mißmutiger Geselle.

Er hob wieder die Hand.