»Es sieht aus, als ob es nicht von Menschen errichtet worden ist. Es ist ein Gebilde der Erde, emporgewachsen wie Felsen aus dem Meer. Aus Liebe hat es diese Gestalt angenommen, damit Menschen darin hausen können.«
»So, gefällt Ihnen Wartalun?«
»Betrachten Sie den Turm, die Mauer und den Erker im Efeu. Können Sie sehen, wie die Eichen so gewachsen sind, daß sie mit dem Schloß Gemeinschaft gewinnen, daß beide einander schirmen und daß nichts diese starke Gemeinschaft stört? Sehen Sie dort — eine Wolke — sehen Sie denn nicht? Sie müssen sich hierher stellen. Ach, das ist ein Schloß ... Bäume ...«
»Nun ja ...«, sagte Afra, »was ist denn an einer Wolke?«
»Dies hier ist eine Begräbnisstätte unter Tannen ...«
Afra fing an zu lachen. Er schaute sie tief betroffen an und trat zur Seite, versuchte den Weg zu gewinnen und schien davongehen zu wollen. Als er Afras vornehmes Gewand aus schwerem Tuch, ihre Lederhandschuhe mit den altmodischen Armstulpen sah und den goldenen Knauf ihrer Reitgerte, machte er einen Schritt auf sie zu:
»Entschuldigen Sie, bitte«, sagte er, »ich bin hier vorübergekommen und hätte um Erlaubnis bitten müssen, bevor ich eintrat ... Welch ein herrliches Gesicht haben Sie, Fräulein!«
Irgend etwas hinderte Afra, diesmal über sein absonderliches Wesen zu lächeln, sie fühlte einen Ernst auf sich einwirken, dessen Ursprung sie nicht erriet, der sie jedoch gebieterisch zwang, die kleinen Hilflosigkeiten dieses Menschen zu übersehen.
»Bleiben Sie hier«, sagte sie sicher und freundlich. »Sie brauchen doch nicht gleich fortzulaufen, wenn man eine Frage an Sie richtet.«
»Das ist wahr«, sagte er überzeugt und sah sie für einen Augenblick warm an. Aber diese Dankbarkeit hatte nichts von Unterwürfigkeit, sondern sie wirkte beinahe wie eine wohlwollende Anerkennung. Keines von ihnen sprach. Der Fremde betrachtete Afras Gesicht und ihre junge Gestalt, und in seine Augen kam ein beseligtes Leuchten.