Und zwischen die Choralmelodien, die Harfenarpeggien, welche das Heiligenbild umschauerten, kicherte und schwirrte es hinein wie Flötentriller, wie kecke Geigenpizzicati:

Asta Thöny ... Asta Thöny ...

Und ein paar neckische, blinkende Lackschuhchen tanzten auf und nieder, aus denen zwei schlanke, seidenbestrumpfte Knöchel guckten — was darüber war, verschwand in rosigen Schleiern, aus denen es lachte und girrte wie Taubengurren:

Asta Thöny ... Asta Thöny ...

Ernsthaft und aufrecht saß Valentin Pilgram, der gestrenge Senior des Korps Franconia. Als läge die Regierungslast eines Millionenstaates auf seinen Schultern, so pflichtdurchdrungen, so würdeumbauscht saß er und übersann das Programm des Tages ... Ob Heinz Hartwig, das muntre, taprige, ewig korkende Füchslein, wohl heute endlich eine einwandfreie Mensur liefern würde und daraufhin ins engere Korps rezipiert werden könnte? Und Ivo Volkner, der leichtblütige Rheinländer aus Düsseldorf, dessen letzte Mensur auch keineswegs tadelsfrei gewesen war — ob er wohl sein unstätes Musikantentemperament heute so weit im Zaume halten würde, um sich herausreißen zu können?

Und was sollte der C. C. auf den merkwürdig schnoddrigen Brief unseres lieben Kartellkorps Pomerania zu Göttingen antworten? Ob es nicht doch besser war, das alte Kartellverhältnis zu lösen und ein frisch-fröhliches P. P. zu fechten?! Aber was würden die gemeinsamen Alten Herren sagen?

Und ob man den Rektor zur C. C.-Antrittskneipe einladen mußte — anläßlich der hohen Ehre, daß ein richtiggehender Prinz und Thronfolger zu den Konkneipanten des Korps zählte?

Ja, man hatte schon seine Sorgen ... Der Reichskanzler war am Ende auch nicht viel schlimmer dran als der Erste Franconiae-Leipzig ...

Der Erbprinz aber träumte von einer fernen Zukunft ... noch war der alte Herr ja ... hm, hm! — erheblich rüstig ... und seine Altersgenossen, die Leutnants des Sophien-Regiments, hatten ihm gelegentlich in später Stunde, wenn der Sekt die Zungen gelöst, das Gefühl der Distanz ein wenig gemildert hatte — na ja, dann hatten sie ihm gelegentlich etwas gesteckt von all dem Gemunkel, das in der Residenzstadt umlief über die zarten Beziehungen des hohen Herrn zu der weiblichen Elite des Hoftheaters ...

Er, Heribert Hans Herwig, würde sich das erlauchte Vorbild seines gnädigsten Vaters zum Muster nehmen, wenn er einmal als Heribert XIV. das Thrönchen seiner Väter bestiegen haben würde.