»O nichts, nichts als Du —!« stammelte er und sank neben dem Sofa in die Knie. Seine glühende Stirn sank in ihren Schoß, ihre weißen Hände glitten über seine braunen Locken. — Da richtete er sich auf, irren Auges, die Wangen feucht, und sah sie an, so ganz Inbrunst, Ergebung und Verlangen, daß es sie niederzog zu ihm. Sie umschlang seinen Nacken, ihre Lippen hingen über den seinen.
In diesem Augenblick wurde heftig an die Tür geklopft. Die beiden jungen Menschen fuhren empor — das war nicht wahr, das durfte nicht sein ... aus solchem Traume gibt's kein Erwachen, eh er zu Ende geträumt ist. Und doch — es klopfte abermals.
»Jucunda, darf' ich 'rein kommen?« klang Frau Buchners fette Stimme.
Die beiden Kinder richteten sich auf. Die mühevoll eindressierte Haltung, sie versagte nicht in diesem trauervollsten Augenblick. Im Nu saß Hans Thumser auf seinem Stuhl, ganz Korpsstudent, ganz korrekter junger Gentleman — und sie, ihm gegenüber, auf dem Sofa, ganz Dame, ganz Komödiantin:
»Bitte, Mama ...«
Frau Buchner trat ein, mit einem Lächeln des Triumphs auf den Lippen. Ein wenig stutzig sah sie von einem zum andern, doch ihr prüfender Mutterblick fand keine Spur, die Besorgnis erregt hätte.
»Nu, Jucunda, was sagste nu?« Mit spitzen Fingern hielt sie eine Visitenkarte in den Bereich der Lampe, eine vielzackige Krone darauf und darunter die Worte:
Heribert Hans Herwig, Erbprinz von Nassau-Dillingen
»Was?« rief Jucunda, »er ist draußen?«
»Ei, herrjemerschnee! Ne so was — ne so was ... Natierlich ist er draußen — in höchsteigener Person! Soll ich 'n 'rinlassen?«