Dabei versuchte er die Dunkelheit zu durchdringen, um etwas von den Zügen der Gesellin dieser seltsamen Begebenheit zu erkennen. Umsonst — nur etwas Nasses, Zitterndes hielt er in seinen Armen, dessen Wärme langsam die eisige Nässe der Hüllen durchdrang, die um ihre Glieder schlotterten. Die zarte Gestalt wollte wieder in die Knie sinken, aber er raffte sie empor, zog sie herzhaft an seine Seite und zwang sie, in raschem Schritt durch den lockeren Schnee mit ihm den Fußpfad pleißeaufwärts zu verfolgen.

Dabei redete er ohn' Unterlaß auf das junge Menschenkind ein, das wankend und noch immer leise wimmernd an seiner Seite schritt.

»Nun sagen Sie bloß, meine Gnädigste, wie sind Sie auf die verrückte Idee gekommen, bei so schauderhaftem Wetter Schwimmversuche in der Pleiße zu machen? — Dabei können Sie sich ja einen Schnupfen holen, den Sie in diesem Leben nicht mehr los werden. Denken Sie bloß, wenn ich nicht zufällig des Weges gekommen wäre ... Und noch dazu in Kleidern, das bringt ja nicht einmal ein Mann fertig, geschweige denn so ein kleines zartes Mädel wie Sie. — Oder sind Sie gar eine junge Frau? Dann sagen Sie's mir, damit ich Sie richtig anrede ... kommen Sie, wir müssen schneller laufen ... damit wir warm werden, Sie zittern ja gottserbärmlich. Schade, daß der »Wassergott« zugemacht hat, ich wäre kolossal für einen Grog oder auch deren mehrere, Sie nicht auch?«

So schwatzte er drauf los, allerhand banales Zeug, was ihm gerade in den Kopf kam, und nahm mit Befriedigung wahr, daß das Wimmern schwächer und schwächer ward und schließlich ganz verstummte.

Und dann kam eine wilde Lust an dem unerwarteten Abenteuer über ihn, das in seine verzweifelte Stimmung hineingeplatzt war wie ein Weckruf zu neuem Leben ... Und immer brennender wurde in ihm die Neugierde, die Züge der Unbekannten zu sehen, in deren Schicksal er hatte eingreifen dürfen wie vom Himmel gefallen.

Als die beiden einen Augenblick verpusteten, griff er in seine Hosentasche und zog die Zündholzschachtel hervor, sie war ganz trocken. Die wenigen Sekunden, die er in dem nassen Element zugebracht, hatten nicht genügt, um seine Kleidung gänzlich zu durchfeuchten. Da ließ er ein Hölzchen aufflammen und sah mit jähem Entzücken, welchen holdseligen Fang er gemacht. Dabei weckte ihm das triefende, glühende Gesicht, von langen dunklen Haarsträhnen überhangen, unbestimmte Erinnerungen ...

Aber eine Scheu verbot ihm zu fragen ...

Und das Flämmchen verlosch, das angstvolle Gesicht, die hilflos blickenden Augen versanken wieder in der Finsternis. Nein, jetzt nicht fragen — wie wund mußte diese arme flüchtige Seele sein ...

Da war der »Wassergott«. Valentin stapfte in die schneeverwehte Galerie hinein, aber die Gerettete ließ er dabei nicht los.

»Ne, ne, kommen Sie ruhig mit, Gnädigste, ich habe Angst, Sie möchten zu viel Geschmack an Ihren Schwimmkünsten gefunden haben ... und ob ich Sie zum zweiten Male da herausbrächte? Ich weiß wirklich nicht.«