Ach leben — nur leben. Besser, sich prügeln lassen vom Schicksal, besser, sich auf und ab wirbeln lassen zwischen Glückseligkeit und Tränen, Tränen und Glückseligkeit, als dies kalte Nichts da unten.
»Ich danke Ihnen,« stammelte sie. »Ich danke Ihnen!«
Und lustig schwatzend von den gleichgültigsten, törichtsten Dingen, als seien sie zwei alte Bekannte, die sich beim Spaziergang begegnet, stapften die zwei Menschen fürbaß durch den knietiefen Schnee.
»Haben Sie warme Backen?« fragte der Student. »Au! Teufel ja, die brennen ja wie ein Oefchen — und die Hände? Ziehen Sie doch die nassen Handschuhe aus, das gibt ja Rheumatismus — richtig, die sind wie zwei Eiszapfen. Da weiß ich Rat, wir werden uns schneeballen. Los! Greifen Sie zu, ich laufe voraus. Daß Sie mir aber nicht wieder auskneifen und in die Pleiße spazieren!«
Nein — Asta hatte keine Sehnsucht mehr nach der Pleiße. Sie bückte sich, griff mit den erstarrten Händen in die lockere Masse, die alles überlagerte — und klatsch, da flog ein raschgeformter Ball dem riesigen Begleiter vor die Brust, daß es nur so knallte ... Und lachend, rennend, prustend, wie zwei Kinder, tollten die zwei den Weg entlang.
Schon schatteten die dunklen Fronten der Vorstadthäuser in das silberne Flockengeflitter hinein. Nun galt's sittsam und verständig nebeneinander durch die Straßen zu schreiten, in denen nur wenige schneebepuderte Gestalten unter weißbezuckerten Regenschirmen hastig und lautlos ihren Behausungen zustrebten.
Als aber der erste Laternenschein dem wandelnden Paar die Gestalt des Partners zeigte, schrie das Mädchen plötzlich auf:
»Um Gottes willen, Sie sind ja in Hemdärmeln! Sie werden sich den Tod holen!«
»Ach! keine Spur!« lachte der Student. »Ich glühe nur so! vorwärts, nur vorwärts!«
Jeder Vorüberwandelnde stutzte, als er das seltsame Schauspiel sah, daß ein junger Mann barhäuptig und hemdärmelig neben einer elegant bepelzten Dame herschritt.