Rasch war Valentin des Anstarrens, des Stehenbleibens satt. Auf der Zeitzer Straße rief er eine Droschke an, deren schneebepackter Gaul mühselig und dampfend dahin keuchte. Und nun war nach wenigen Minuten die Sophienstraße erreicht, die Hausnummer, die das Mädchen angegeben.

Es kostete Mühe, in den nassen Kleidern die Treppe hinan zu kommen, den Korridorschlüssel zu finden.

Mit Ueberraschung bemerkte der Student, daß es die wohlbekannte Wohnung war, in der Mutter Ach schaltete, sie, die ganze Generationen von Franken beherbergt hatte. Sie, bei der jetzt jener andere wohnte, dem Valentin Pilgram in ingrimmiger Einsamkeit eine fürchterliche Vergeltung geschworen ...

Starr vor Entsetzen stand die behäbige Witwe, als im matten Schein des Flurlämpchens ihre Mieterin vor ihr stand:

»Ei, herrjemerschnee! ne so was — ne so was ... Was hab'ns denn nur gemacht, Freilein? ... Und wer is denn das? — Weeß Knebbchen, das is Sie ja der Herr Pilgram! Herr Pilgram, is es meeglich?! Nu komm' Se doch bloß mal in die Stube 'nein — ich wer' gleich Feier machen — und Tee wer' ich 'n kochen, i nee so was, nee so was.«

Bei dem Namen Pilgram hatte das Mädchen gestutzt. Höher noch flammte ihr glühendes Gesicht. Stumm klinkte sie ihre Stubentür auf und huschte hinein. Die Tür ließ sie offen in dem dunklen Gefühl, daß ihr Retter einen Anspruch auf die behagliche Wärme habe, die ihr von drinnen entgegenschlug.

Doch der folgte ihr nicht — starr hingen seine Augen an dem weißen Kärtchen, das an der Stubentür befestigt war.

»Das — sind Sie?« fragte er mit zusammengebissenen Zähnen.

»Ja, das bin ich — kommen Sie doch herein — wärmen Sie sich.«

Zögernden Schrittes trat der Student näher. In scheuem Staunen musterten sich die beiden jungen Menschen, das Hirn von wirren Gedanken durchkreuzt ...