Frau Wehe hastete herein, rannte geschäftig zum Feuer, um frische Kohlen aufzuschütten.
»Nu sagen Se bloß, Herr Pilgram, was haben Se denn angefangen alle zwei? Wer looft denn bloß in so en' Wetter hemdärmlig 'rum und mit bloßem Koppe?! Und naß wie de Katzen seid 'r alle zwee! Da soll wer anders draus klug wer'n!«
»Das Fräulein ist spazierengegangen an der Pleiße, hat im Dunkeln den Weg verfehlt, ist ins Wasser gefallen, ich habe sie herausgezogen,« erklärte Pilgram hastig.
»Gott soll mich bewahr'n!« schrie Frau Wehe. »Nu aber mal schnell ins Bett mit dem Kind! — Und Sie, Herr Pilgram, Sie gehen nebenan zum Herrn Thumser und nehm' sich Wäsche und Kleider, versteh'n Se mich?! Am besten wär's schon, Sie legten sich einfach da nebenan ins Bette! Herr Thumser wird schon nich beese sinn! Und dann koch' ich Euch Tee oder Grog, 'ne paar Wärmepullen unter de Decke, ich wer' schon machen!«
»Nein!« schrie da Asta Thöny. »Herr Thumser, nein — das geht nicht — der darf nichts davon wissen ... der auf keinen Fall!«
»Ach Quatsch!« rief die stämmige Wirtin. »Ihr holt Euch ja den Tod alle zwee, da gibt's nischt zu reden — machen Se fort, Herr Pilgram, in's Bette mit Ihn' —!«
Mit angstvollen, flehenden Blicken hingen des Mädchens Augen an den erstarrten Zügen ihres Retters, seiner finster zusammengekrausten Stirn. — Sie schwieg, sie wußte, daß sie nicht länger bitten durfte, wo es um seine Gesundheit ging, vielleicht um sein Leben ...
Heiser fragte da Valentin Pilgram:
»Thumser? Warum darf der nicht wissen —? Kennen Sie Thumser?«
Tief senkte das Mädchen den Kopf, stand regungslos, schauerte plötzlich in Frösten zusammen. Auch der Student schwieg. In wirrem Grübeln, in finstrem Forschen gingen seine dunklen Blicke zwischen dem zitternden Mädchen, der hilflos, verständnislos dreinglotzenden Frau hin und wider.