»Kennen Sie Hans Thumser, gnädiges Fräulein?« fragte er noch einmal, hart und befehlend. Ein Verdacht reckte sich dräuend in ihm auf. So phantastisch, so aberwitzig, daß der Verstand sich sträubte, ihn zu formulieren ...

Asta antwortete nicht. Sie sank immer tiefer in sich zusammen. Und plötzlich knickte sie in die Knie, ihre Arme fielen auf einen Stuhlsitz, das Köpfchen mit den triefenden, zerzausten Flechten glitt in die silbernen Falten des Pelzwerks, das sich um ihre Glieder schmiegte, und ein jähes Schluchzen durchrüttelte die hingeworfene Gestalt.

Valentin Pilgram begriff ... Das fehlte noch, das war das letzte ... Und die ganze, kochende sinnverwirrende Wut, die den Nachmittag über sein Inneres verwüstet, schlug in roter Lohe aus den Tiefen seines Wesens empor, stieg ihm in die Augen, in die Stirn, in die Fäuste. —

»Der Hund —! Ah, der Hund!« knirschte er. »Sorgen Sie mir gut für das Fräulein, Frau Wehe! Adieu!«

Er stürzte hinaus. Die Stubentür, die Korridortür krachten hinter ihm ins Schloß.

Asta Thöny war emporgefahren. Blitzschnell schloß sich die Gedankenkette: Also der da, ihr Retter, das war Valentin Pilgram — er, den sie kannte aus Hansens Erzählungen, von dem sie wußte, wie er in jähem Zorn sich zur Sühne für eine Schmach gedrängt, die ihrer großen Kollegin widerfahren ... Und nun, nun stürmte er von hinnen, unvollkommen bekleidet wie er war, schäumend vor Wut, wie sie ihn mit einem letzten Blick gesehen. Und sein letztes Wort war eine gräßliche Drohung für Hans Thumser gewesen. Für ihn, von dem er nicht einmal in dieser Not trockene Kleider hatte annehmen wollen.

Das bedeutete Gefahr — Todesgefahr für den geliebten, den treulosen Jungen —!

Todesgefahr —! Noch meinte sie den stählernen Druck des Armes zu fühlen, der sie aus dem kalten Flutengraus gerissen, der sie so sicher und brüderlich heimgeleitet.

Wehe dem, der diesem Arm verfiel.

Nein, nein ... das nicht, das nicht! Um diesen Preis gerettet zu sein, nein, das nicht ... o Gott, das nicht —!