Hans ließ die erstaunten Blicke hin und wider gleiten zwischen dem Schreiben und dem, der es ihm gereicht, dann trat er in den Lichtbereich des mattglänzenden Flurlämpchens und erkannte, daß der Brief mit fahrigen, steilen Schriftzügen einer Frauenhand bedeckt war:
»Sehr geehrter Herr! Ihr dankenswertes Eintreten für meine Ehre hat schnell den gewünschten Erfolg gehabt. Die beiden Herren, welche mir zu nahe getreten waren, haben mündlich bei mir um Entschuldigung gebeten. Ich danke Ihnen innigst für das große Opfer, das Sie mir gebracht haben ...«
Verblüfft ließ Hans den Brief sinken:
»Was soll ich damit?« fragte er, »was geht das mich an?!«
»Dreh doch gefälligst einmal den Bogen um!« befahl Pilgram in ingrimmiger Ruhe.
Hans wandte den Bogen um und entdeckte mit grenzenlosem Staunen rechts an der unteren Ecke der vierten Seite, auf dem Kopfe stehend, seine Initialen und darüber den Frankenzirkel. Er drehte den Bogen um, und richtig: es war kein Zweifel, das war einer von seinen eigenen Briefbogen. Völlig verdutzt sah er den einstigen Korpsbruder an, um dessen festgeschlossene Lippen ein mattes Lächeln des Triumphes irrte.
»Von wem ist der Brief?« fragte Hans Thumser mit unsicherer Stimme.
»Spiel' mir gefälligst keine Komödie vor!« brauste Pilgram auf.
»Aber ich versichere Dir, ich habe nicht den leisesten Schimmer.«
»Pfui Deubel — nicht mal den Mut hast Du ... Gib her den Brief! Und nun weiter! Warst Du heut' nachmittag bei Fräulein Buchner?«