Ach so, die Großartige willst du spielen! Na warte —!

»Wenigstens nicht, wenn's ein x-beliebiger Bürgerlicher ist, willst Du sagen, nicht wahr? Wenn's freilich ein Prinz wäre — das ist was andres, gelt, Jucunderl, denn kann er so ungar sein wie er will, hab' ich recht?«

Da fuhr Jucunda Buchner so heftig in die Höhe, daß Asta Thöny unwillkürlich aufstand und einen halben Schritt zurückwich. Die schönen Hände krallten sich, das majestätische Gesicht verzerrte sich zum Ausdruck einer Medusa, die stahlblauen Augen funkelten Wut gleich den Lichtern einer gereizten Katze:

»Was fällt Dir ein, was erlaubst Du Dir?!« Doch rasch glätteten sich ihre Züge zum Ausdruck eiskalter Verachtung, sanken die schönen Schultern nachlässig in die Kissen zurück, und mit einer Handbewegung, gleich jener, mit der eine Königin eine unbotmäßige Kammerfrau entläßt, befahl sie:

»Verlassen Sie mein Zimmer, mein Fräulein!«

Asta Thöny lächelte ihr boshaftes Spitzbubenlächeln. Sie sank in einem tiefen Hofknix zusammen:

»Zu Befehl, Frau Marquise, wünsche gute Karriere.« Und schon war sie hinaus.

Während sie die Katharinenstraße hinunterschritt und den Marktplatz überquerte, dessen Schneedecke grell im duftumschleierten Lichte des frühen Wintermorgens gleißte, fühlte sie sich fast erstickt von der Seligkeit, die verhaßte Rivalin einmal bis aufs Blut geärgert zu haben.

So eine Hundeschnauze! so eine eiskalte! Tut, als hätte sie keine Ahnung, daß sie es doch allein ist, die all den Unfug angestiftet hat in den Brauseköpfen hüben und drüben — Gott! und wer weiß, was für Dummheiten sie sonst noch alles auf dem Gewissen hat! Ist nicht dies ganze Nest wie verrückt nach ihr? Aber das ist das Blödsinnige an dem Ruhm: hat unsereins sich erst mal durchgesetzt, dann liegt die Welt vor ihr auf dem Bauch, und das verrückte Mannsvolk bringt sich um für das Glück, von ihr mit Füßen getreten zu werden ...

Aber jetzt — jetzt ist sie wild. Jetzt faucht sie zu Hause, jetzt hat sie einmal gespürt, daß auch noch andere Katzen Krallen haben —!