»Ja, Kindchen, soweit ich aus der Geschichte klug geworden bin, handelt es sich also um zwei Studenten, und einer von ihnen ist momentan Quartiergast in dem Kämmerchen da drüben unter Ihrem Pelzjackett, das freilich, soviel mir bekannt ist, häufig seinen Mieter wechselt. Aber, wat sall ick dorbi dauhn?«

»Einen Rat — einen Rat will ich, lieber Herr Burg. Sie sind doch Student gewesen — was fängt man nur an, um die zwei wieder auseinanderzukriegen? Was soll ich tun, sagen Sie mir, was soll ich tun?!«

»Die Karre laufen lassen, wie sie laufen will! Ich bitt' Sie — die jungen Leute müssen doch was erleben ... Sehen Sie sich doch um in der Welt! da geht ja heute alles so verflucht ehrbar, korrekt und vorschriftsmäßig zu, es passiert nichts — und passieren muß doch was in der Welt ... wovon sollen wir denn sonst leben, wir armen Komödianten, und die Poeten, die für uns Komödie schreiben! Ist ja 'n wahrer Segen, daß wenigstens auf deutschen Hochschulen noch manchmal 'n bißchen gerauft und geknallt wird. Ich freue mich immer, wenn ich sehe, daß noch Leidenschaft in der Jugend drin steckt ... daß noch Tragödien passieren. Das wäre ja doch ein wahrer Jammer, wenn man so was hintertreiben wollte.«

»Aber wenn nun ein Menschenleben dabei zugrunde ginge, bedenken Sie doch, Meister! So ein blühendes, herziges, junges Studentenleben!«

»Na — wenn schon!« knurrte Burg, »Studenten gibt's doch weiß Gott genug auf der Welt. Eine große Sensation ... eine — na, einen Stoff — das ist wahrhaftig so'n Allerweltsstudentenleben wert!«

»Herr Burg, Sie sagen Allerweltsstudentenleben ... das stimmt hier aber nicht; der eine, das ist kein Allerweltsstudent, das ist was ganz Besonderes —«

»Der eine? Also Ihrer selbstverständlich, nicht wahr?«

»Gott ja, meiner, wenn Sie wollen.«

»Nun, was ist denn so Besonderes an ihm?!«

»Er ist ein Dichter! Ach, so wundervolle Gedichte macht er. Wenn ich doch nur eins bei mir hätt'!«