Freilich, an ihm selber hatte es ja nicht gefehlt ... Und wer weiß, was geschehen wäre, wenn nicht im Augenblick, als Jucunda anfing, gnädig zu werden, sehr gnädig — — wenn nicht der andere dazu gekommen wäre, dieser fade Laffe, über dessen blasiertem Geckenschädel der Nimbus einer Fürstenkrone schwebte?
Aber schließlich, es war doch ein Irrtum, wenn Pilgram sich einbildete, Thumser sei glücklicher gewesen als er selber.
Also ein Mißverständnis! Ein Wahn!
Aber da war noch etwas andres, das nicht stimmte: Was das nur mit dem Brief gewesen war, den Pilgram ihm vorgehalten? Offenbar ein Brief von Jucunda, ein Brief, in dem sie sein Eintreten für ihre Ehre mehr oder weniger verblümt abgelehnt hatte. Und dieser Brief hatte auf einem Briefbogen gestanden, der seine, Hans Thumsers, Initialen trug. Wie kam der Brief auf dieses Papier? Erst jetzt in der Stille der Nacht fand Hans Zeit, um über dies Phänomen nachzugrübeln ...
Und plötzlich stand ihm der Augenblick vor der Seele, wie er Jucunda und ihrer Mutter sein Zimmer zur Verfügung gestellt hatte, um sich auszusprechen. Natürlich, das war's ja! Da hatten die Frauen das Uriasbrieflein ausgeheckt und das liebliche Plänchen gleich realisiert. Sie hatten genommen, was gerade zu erreichen war, das Briefpapier des Mannes, der ihnen vertrauensvoll seine Behausung zur Verfügung gestellt ...
Pilgram aber, der hatte natürlich für die sonderbare Erscheinung sich eine ganz andere Erklärung in den Kopf gesetzt. Er mußte sich eingebildet haben, der Korpsbruder sei mitschuldig an der Abfassung des Briefes, habe ihn vielleicht sogar redigiert ...
Also Mißverständnis Numero zwei.
Schön! Zwei grobe Irrtümer in der Rechnung. Wenn man sich aber einmal in Pilgrams vermutliche Auffassung hineinzudenken versuchte, so konnte man ihm schließlich nicht so unrecht geben, wenn er bis aufs Blut gereizt war, wenn er den einstigen Korpsbruder infamer Gesinnung und Handlungsweise verdächtigte.
Und darum Mord und Totschlag! Darum zwei junge Leben vor die Mündung geladener Pistolen gestellt! War das nicht Wahnsinn? War es nicht noch in diesem Augenblick Pflicht, eine offene Aussprache herbeizuführen, den Irrtum aufzuklären?!
Aber bei dem Irrtum war es nicht geblieben. Er hatte eine schreckliche Folge gehabt: die rasche Tat, eine Tat, die nicht milder war denn ein Schlag mitten ins Angesicht des Feindes. Und auch zu diesem Schlag wär's ja gekommen, wenn nicht die Korpsbrüder dazwischen getreten wären.