»Asta ... mein Mädchen ... ich ... ich hab' Dich ja so lieb ... so unsagbar lieb ... ich laß Dich nicht fort ... ich ... ich brenne durch ... Ich geh' mit nach München ... Ich frage Euren Herrn Burg, ob er einen Volontär brauchen kann ... Ich sollte meinen, zu einem Komödianten müßt' es doch auch bei mir reichen ...«

Asta tupfte die Augen mit ihrem Spitzentüchelchen, und die zuckenden Mundwinkel lachten schon wieder ihr lieblichstes Spitzbubenlachen.

»Ne, Hanserl — das glückt Dir nicht ... Das können wir vor Deinen Herren Eltern nicht verantworten! Bleib Du, was Du bist ... ein Jurist ... oder ... werd' einmal ein Dichter, wenn Du kannst ... ich glaube, Du kannst — — und dann, in zehn oder zwanzig Jahren schreibst Du einmal ein Stück, das über alle Bühnen geht — mit einer wunderhübschen Rolle für die komische Alte darin ... Und wenn Du dann auf Reisen zufällig einmal nach Krotoschin oder nach Stallupönen kommst und siehst an irgendeiner Bauernkneipe oder Scheune den Theaterzettel einer Schmiere kleben, die Dein Stück spielt, und hinter der Rolle der komischen Alten findest Du den Namen Asta Thöny ... dann setz Dich irgendwo unter das 'verehrliche Publikum' ... aber ganz, ganz weit hinten ... daß ich Dich nicht etwa erkenne ... und denk' daran, daß das alte, häßliche Weiblein da oben einmal in Deinen Armen gelegen hat ... vor langer, langer Zeit ... als Du noch jung warst und unberühmt und nichts weiter als ein Korpsstudent in Leipzig ... Gelt, Hans, Das tust Du —?«

Hans Thumser konnte nicht sprechen. Er küßte nur immer wieder die rosige, weiche Hand, die er zwischen seinen harten, waffengestählten Tatzen eingepreßt hielt, als wollte er sie zerdrücken.

Der Wagen hielt vor dem Abfahrtportal des Bayrischen Bahnhofs. Es war zehn Uhr morgens. In grellem Weiß standen die beschneiten Dächer gegen das satte Himmelsblau, das gleißende Sonnenlicht.

Auf dem Bahnsteig hielt bereits der Münchener Schnellzug. Für das Ensemble der Meininger waren auf Bestellung ein paar Extrawagen angehängt worden. Im Kassenflur, unter der Halle, wimmelte es von glattrasierten Männergesichtern, von lebhaften mit betonter Eleganz gekleideten Frauen. Riesige Koffermassen wurden in die Gepäckwagen verstaut ...

Daß Asta Thöny sich auf dem Bahnhof in Begleitung eines grünbemützten Studenten einfand, erregte keinerlei besondere Sensation unter ihren Kollegen und Kolleginnen. Derartiges war man von ihr gewohnt. Sonst war's meist eine Uniform ...

Die große Jucunda schritt mit spöttischem Naserümpfen an dem Paare vorüber, einen ungeheuren Strauß der wunderbarsten Rosen in der Hand, den ihr soeben ein prinzlicher Lakai überbracht hatte. Ja ... den Rosenstrauß hatte sie wohl ... aber keinen herzlieben Jungen zur Seite, der bei ihr hatte bleiben wollen bis zum letzten Augenblick ... Nur ihre Eltern gaben ihr das Geleit, Mutter Doris aufgedonnert im unglaublichsten Staat — Vater Kanzleirat im abgeschabten Winterpaletot und zerbürsteten Zylinder, ein armseliger, hüstelnder Schatten neben den beiden mächtigen Frauengestalten.

Die übrigen Kollegen gingen mit diskret abgewandten Gesichtern an Asta und ihrem schmucken Begleiter vorüber.

Nur Franz Burg trat grüßend heran: