»Guten Morgen, Kleine ... Na — ist das Ihr Dichter?«

»Ja, liebster Freund — das ist er ...«

Burg lüftete lächelnd seinen Hut, nannte seinen Namen, streckte dem Studenten die Hand hin:

»Nun, ich sehe, Sie sind noch sehr lebendig ... Höchst erfreulich das.«

Mit korrekt eingewinkeltem Arm schlug Hans Thumser ein in Franz Burgs Händedruck und zog höchst offiziell die Mütze.

»Hm,« machte der Oberregisseur und musterte ungeniert das feierlich zurechtgefaltete Jugendgesicht — »vorläufig ist noch nicht viel zu lesen auf der Physiognomie da ... aber wer weiß ... vielleicht stehen wir uns noch einmal an anderer Stelle gegenüber, und Sie legen mir ehrfurchtdurchfröstelt das Manuskript Ihres ersten Dramas in die Hand ... wer weiß! Dann wollen wir uns dieses Augenblicks erinnern ...«

»Und ich werde mich Ihres 'Wallenstein' erinnern, Meister — — einstweilen lassen Sie mich Ihnen dafür danken ...« sagte der Student ... und Franz Burg sah auf einmal mit Staunen, wie auf dem jungen Gesicht die feierlich korrekten Falten sich auflösten, wie aus den dunklen Augen eine heiße Flamme sehnsüchtiger Leidenschaft schlug. Da leuchtete auch sein Blick dem jungen Gesellen freundlich und ermunternd ins Gesicht.

»Also — auf dereinstiges Wiedersehen, junger Freund —! Jetzt aber sollt Ihr zwei die paar letzten Augenblicke noch füreinander haben, Kinder ...«

Die paar letzten Augenblicke — —

Hans Thumser und Asta Thöny senkten die Häupter und die Blicke ... Hoben sie dann und ließen die Augen lange, lange ineinander ruhen ... Dabei schwiegen die Lippen, Unsagbares quoll auf in ihren Herzen.