Andächtig tat Pilgram Bescheid. Aber Jucunda war des trockenen Tones satt:
»Erzählen Sie mir lieber von heut abend — erzählen Sie mir, wie ich Ihnen gefallen habe! Sie können's ruhig ein bißchen dicke machen ... Sie haben ja gar keine Ahnung, wieviel Honig und Weihrauch unsereins vertragen kann nach so einer gewonnenen Schlacht ...«
»Aber Jucunda — so schäme Dich doch! Was soll denn Herr Pilgram von Dir denken?«
»Na — nichts als was wahr ist! Daß ich eine ganz eitle, verwöhnte Komödiantin bin! Nicht wahr, Herr Pilgram, so denken Sie doch! Nur heraus damit ...«
»Gnädiges Fräulein, ich denke an nichts andres als an den Augenblick, wo Sie zuerst herauskamen ... Wir waren zu spät gekommen, aus dem S. C., wissen Sie? da muß man aushalten — und als wir kamen, hatte der erste Akt schon angefangen ... und ich langweilte mich und dachte: na ja, Schiller ... und überlegte, was für ein Aufsatzthema mein alter vermickerter Professor auf Prima in Dresden wohl aus diesem ersten Akt herausgeschlagen hätte: Würde Johanna d'Arc ihr Vaterland auch errettet haben, wenn Karl der Siebente anstatt mit den Engländern mit den Deutschen Krieg geführt hätte? oder so ähnlich ... Und da — da kamen Sie — und auf einmal wurde alles wahr und richtig und interessant und ... na ja eben schön ... mit einem Wort ...«
»Ich seh's kommen, daß se Dich noch ganz närr'sch werden machen, Jucunda —« kicherte der Kanzleirat.
»Ach ja ... macht mich nur ruhig närrisch, Kinder — es ist ja so schön, gefeiert zu werden ... und begraben zu werden unter Lorbeer und Rosen — und die Pferde ausgespannt zu kriegen ... hören Sie, Herr Pilgram — die Idee, die war wohl von Ihnen?«
»Ehrlich gestanden, nein — so leid mir's tut — aber den glorreichen Einfall, den hat mein Korpsbruder Thumser gehabt ...«
»Schade — sonst hätten Sie wahrhaft'gen Gott 'nen Kuß gekriegt dafür —«
Der Kanzleirat drohte der Tochter lächelnd mit dem Finger.