»Was ... soll ich sagen?« stotterte der Student. »Ich ... sehe Sie an ... und denke, daß morgen ... morgen das alles vorbei ist ... daß Sie morgen wieder die allgefeierte Jucunda Buchner sind ... und ich ... irgendein simpler, gleichgültiger Rechtskandidat ... der Ihnen nichts sein kann ... nichts für Sie tun ... Ihnen nichts bedeutet als eben ein Stück Publikum ... einer von den Tausenden, die Ihnen allabendlich zujubeln, ohne daß Sie sie kennen, mehr für sie übrig haben als ein geschäftsmäßiges Lächeln, wenn der Vorhang sich noch einmal hebt ...«
»Wer weiß!« sagte Jucunda mit einem gnädigen Blick. »Vielleicht, daß ich doch einmal einen ... einen Ritter brauchen kann ... dann will ich mich an diese Stunde erinnern ... und Sie rufen ... Soll ich?«
»Gnädiges Fräulein ...« sprach Valentin Pilgram heiser ... »Das wäre mehr Gunst vom Schicksal, als ich Mut habe zu hoffen ...«
Sie reichte ihm die feste, warme Hand. Er küßte sie ... ehrfurchtsvoll, als sei es einer Fürstin Hand ... und ging.
Als er die Tür zu seinem Kämmerchen hinter sich geschlossen, stand er einen Augenblick im tiefen Dunkel, regungslos. Ihm war's, als drehe sich alles um ihn im Wirbel. Und der reckenhafte Gesell, der zweiundzwanzigmal dem Schläger und fünfmal dem Säbel Stirn und Brust geboten, fühlte ein rätselhaftes Grauen vor etwas Kommendem, dem er keine Deutung wußte ... das im Dunkel hockte und ihn ansah mit den blauen, hellen, befehlenden Augen, von denen er fühlte, daß er ihnen gehorsam sein müßte, was immer sie ihm gebieten würden.
5.
Die zwölf halben Liter Tucher, die Hans Thumser nach dem Jucunda-Rummel auf der Kneipe noch in seine ausgepichte Fuchsmajorskehle gepumpt, hatten die Erregung der zappelnden Nerven untergekriegt und für die nötige Bettschwere gesorgt — zum Anfang wenigstens. Aber dennoch — als der Student plötzlich aus dumpfen, wirbelnden Träumen in die Höhe fuhr, so daß der kaum verheilte Schädel krachend gegen die Rückwand seines Bettes bumste — da war es noch stockfinster, und wie er ein Streichholz entzündete, wies die Uhr halb vier ...
Und wieder Dunkelheit und Schweigen, und im Herzen schwirrend und rumorend viel hundert Bilder, viel tausend Farben und Klänge ...
Wo soll es hin, das alles?! Was will's von dir, dies tolle, glühende Leben?!
Da horch ... ein seltsamer Laut ... ein zager, verzitternder ... von irgendwoher aus dem Dunkel ... und wieder ... und wieder ... derselbe bang verschwebende Klageton ...