Da streckte sich auch Hans Thumser mit einem langen Seufzer ... und versank.

6.

Valentin Pilgram war erst spät aufgestanden. In wüstem Halbschlaf, von tollen Träumen gequält, hatte er die Nacht verbracht. Nun saß er über seinem Drogenwelt-Geruch und knuffte die vier Klassen der Gradualerbfolge der Novelle 118 in den schmerzenden Schädel hinein.

Da klopfte es heftig an die Tür seiner Bude, und im selben Augenblick, noch eh er: herein! hatte rufen können, schoß auch schon die Frau Kanzleirätin herein, im geblümten Morgenrock, dessen Schleppe hinter ihr drein waberte, in schleifenbesetztem Häubchen, unter dem die grauen Strähnen des ungeordneten Haares hervorlugten:

»Ach herrjeses, Herr Pilgram, Herr Pilgram, kommen Se doch nur mal schnell — 's Kind hat ja en Weinkrampf — ach es is gräßlich! Kennten Se nich gehn und en Doktor holen? Ich hab ja keen' Menschen nich im Hause ...«

Valentin schoß in die Höhe. »Einen Weinkrampf? Um Gottes willen, was ist denn passiert?«

»Ä Rosenbukett is gekommen, groß wie ä Turm ... un dabei ä Brief, ne, so was von einer Unverschämtheit is überhaupt noch gar nich dagewäsen ...«

»Ist sie denn ohnmächtig? Kann ich vielleicht helfen? Darf ich zu ihr hinein?«

»I du mein Himmel, Herr Pilgram, se is noch im Neglischee ... na aber, ä Kinstlerin — ä Kinstlerin sieht ja schließlich ooch im Neglischee ganz anständ'g aus ... kommen Se nur, Herr Pilgram, helfen Se!«

Aus der geöffneten Tür kam ein warmer Strom von Rosenduft ... und Rosen überall, ein Rosenschwall, ein Rosenwald ... betäubend duftende, schon leise welkende Rosen ... dazwischen die eigentlichen Blumen der Saison: Dahlien, Astern, Erika ... und inmitten, auf eine Chaiselongue hingeworfen, in leidenschaftlichem Schluchzen — sie ...