»Na also —« der Major erhob sich — »ich rechne darauf, daß Sie Ihren mütterlichen Einfluß in diesem Sinne geltend machen. Meine Empfehlung an Ihr Fräulein Tochter ... und ... böse ... braucht sie uns nicht zu sein ... Die ganze Sache war vollkommen harmlos gemeint ... also ... adieu, Frau Kanzleirätin!«

Frau Buchner knixte ein übers andre Mal, während sie den Gast zur Entreetür geleitete.

Auf der Schwelle wandte der Major sich noch einmal um.

»Apropos — soweit ich unterrichtet bin, hat man bei Ihnen besonders daran Anstoß genommen, daß meinem Briefchen ein ... ein kleines Geschenk ... in barem Gelde ... beigelegt war. Vermutlich haben Sie diese ... diese kleine Aufmerksamkeit ... in Verwahrung genommen?«

»Allerdings ... das hab' ich ... in meine Wirtschaftskasse hab' ich die Scheine eingeschlossen ... Jucunda wollte sie zur Post bringen, aber ... sie wollte sich erscht noch nach Ihrer ... genaueren ... Adresse erkundigen ... Na un von dem Wege, da is se noch nich zurück ...«

»Na, dann kann ich ihr ja den Gang ersparen ... Wenn Sie's mir gleich aushändigen wollten ... und vielleicht —« ganz harmlos, nachlässig wurde das hingelegt — »vielleicht händigen Sie mir auch gleich das Briefchen mit aus, das die Gemüter so sehr erregt hat — und damit wäre ja dann alles in schönster Ordnung ...«

»Gewiß, gewiß, Herr Major — das hab' ich ooch ... alles kenn' Se kriegen — ich bin ja froh, wenn ich's aus 'm Hause hab ...«

Teufel auch ... das war mehr, als ich gehofft habe! schmunzelte der Major, als er mit seinem Raube die halbdunkle Stiege hinunterknarrte.

Unten im Hausflur zog er den Brief hervor, entzündete ein Streichholz und ließ das corpus delicti in Flammen auflodern. Die beiden Scheine aber, die er beim Empfang nur nachlässig in die Westentasche geschoben, barg er nun sorgfältig in seinem Portefeuille. Es waren immerhin zweihundert bare Mark ...

Und dann ging er zu Aeckerlein hinüber und bestellte eine Flasche Heidsieck.