»Ich bin ein junger Korpsstudent,
Die Schuhe Lack, der Rock patent,
Korrekt und schick an mir ist alles —
Im Portemonnaie nur —«
»Halt! Gnade!« rief Hans und legte seine Hand beschwörend auf Astas runden Unterarm — von dessen Wärme süße Schauer in seine Fingerspitzen, seine Arme, sein Blut hinüberströmten.
»Ach — sieh da — Verse — und von Ihnen?« fragte Jucunda. »Also ein junger Schiller — oder Goethe? Sieh da!«
»Ach Gott — diese elenden Knittelreime — wenn man nichts Besseres könnte ...«
»Oh — das ist aber nicht hübsch von Ihnen, daß Sie sich meinetwegen so wenig angestrengt haben —« sagte Asta. »Na, was können Sie denn Besseres? Heraus damit!«
»Jawohl, Herr Poet, eine Probe Ihrer Kunst!«
Hans Thumser ließ sich nicht lange bitten. Er sann einen Augenblick nach. Dann richtete er sich unwillkürlich etwas auf, ein feierlicher, strahlender Ausdruck kam in seine Züge; und in tiefinnerer Bewegung sprach er:
»Abgründe klaffen rechts und links
Von meinem schwindelschmalen Pfade,
Und hinter mir schleicht stumm die Sphinx —
Doch über mir geigt Engelsgnade.
Ich aber will nachtwandlerkühn
Den Gratgang bis ans Ende wagen,
Und hell durchsonnt von Morgenglühn
Der Harfe gold'ne Saiten schlagen!«
»Ah ... bravo ... das ist wirklich ein Gedicht ...« sagte Jucunda. »Sieh da — wer hätte das hinter diesem wandelnden Modejournal gesucht ...«
»Oh ... seh' ich aus wie ein wandelndes Modejournal?«