»Aber ... was ist Ihnen denn nur, gnädiges Fräulein?« stammelte Hans Thumser.

»Ach, geht mir doch — laßt mich doch in Ruh, Ihr zwei! Poussiert doch miteinander, so viel Ihr Lust habt — aber nicht in meiner Gegenwart!«

»Aber Kind!« sagte Jucunda, stand auf, sah Hans an mit einem Blick, der für die Kollegin um wohlwollende Nachsicht zu bitten schien, wie für ein törichtes, verzogenes Kind, und trat zu ihr ans Fenster.

»Ach, gehen Sie doch, Buchner — lassen Sie mich! Es ist ja immer dieselbe Geschichte! Alles müssen Sie für sich haben, alles belegen Sie mit Beschlag — alles muß zu Ihren Füßen liegen, keiner andern gönnen Sie was! Den Jungen da, den hab' ich nun entdeckt — und kaum hab' ich ihn eingeladen, schon sind Sie da, als wenn Sie's gewittert hätten — und gleich geht's los, das alte Spiel — nur Jucunda Buchner redet, man sieht nur sie, man hört nur sie, man vergafft sich nur in sie, nichts existiert auf Gottes weiter Welt, nichts und gar nichts, als einzig und immer wieder Jucunda Buchner!«

»Herr Thumser, ich bitte Sie um Ihr unparteiisches Zeugnis!« sagte Jucunda ruhig, ganz beherrschte Weltdame — »ist das nun gerecht, wie diese Dame mich behandelt? Habe ich auch nur den geringsten Versuch gemacht, Sie — wie hat sie gesagt? — mit Beschlag zu belegen? Haben wir nicht vollkommen harmlos geplaudert alle drei? Und auf einmal aus heitrem Himmel diese Explosion? Habe ich das verdient, Herr Thumser? Bitte, sprechen Sie.«

In tödlichster Verlegenheit hatte Hans Thumser diesen Ausbruch, dieses Zwiegespräch der Kolleginnen über sich ergehen lassen. Er suchte vergebens nach der rechten Antwort auf Jucundas Frage.

»Gnädiges Fräulein ...« stammelte er zuletzt, »verzeihen Sie, wenn ich auf Ihre Frage nicht antworte. Wir sind beide Fräulein Thönys Gäste ... Ich bin untröstlich, daß ich Ihr Mißfallen erregt habe, Fräulein Thöny ... ich darf Ihnen zwar versichern, daß es keineswegs meine Absicht war, Sie irgendwie zu ... wie soll ich sagen? ... zu vernachlässigen ... Wenn ich dennoch ... es an der schuldigen Rücksicht habe fehlen lassen — so bitte ich tausendmal um Entschuldigung ...«

Asta Thöny antwortete nicht. Sie stand noch immer am Fenster ... der Schein der Straßenlaternen von drunten umrandete ihre dunkle Silhouette mit einem silbernen Streif — den weißen Batist, den zarten Flaum des Armes, die Flimmerlöckchen des schwarzen Haars. Wie das Kabinettstück eines der holländischen Kleinmeister sah das aus.

Jucunda und Hans blickten einander an — der Jüngling in ratloser Befangenheit, das Mädchen gelangweilt, mit verdrossenem Achselzucken ...

In diesem Augenblick erklang draußen eine heftige, erregte Stimme, die Jucunda auffahren machte: