»Na, Gott sei Dank und Lob — endlich also! G'sucht hab' ich das Mädchen durch die halbe Stadt ... nee so was, nee so was!«

Die Tür sprang auf, und eine massive Frauengestalt füllte den Rahmen — Frau Wehe verschwand fast ganz hinter dem roten, schwitzenden Gesicht, das von den Samtschleifen, den Seidenbändern eines schwarzen Kapothutes eingesäumt war — hinter den mächtigen Schultern unterm perlbesetzten Samtcape ...

»Jucunda — endlich ... Wenn Du wüßtest, was ich hab' müssen aussteh'n diesen Nachmittag Dir zuliebe ... Daß mich der Schlag nicht hat gerührt, das is mir ä blaues Wunder ...«

»Mutter — Du?« sagte Jucunda langsam und ungnädig. Sie empfand dunkel, daß diese Erscheinung in schroffem Widerspruch stand zu dem mystischen Glanz, der, sie wußte es, von ihr ausging, wenn sie wollte, und wenn der Glückliche, der in diesem Glanze stand, die nötige Naivität besaß.

»Was ist denn passiert? Darf ich zunächst bekannt machen? Meine Kollegin Fräulein Asta Thöny — Herr Studiosus — na wie war's doch noch? Dummser, nicht wahr?«

»Thumser,« sagte Hans.

»— meine Mutter, Frau Rat Buchner. Also was steht Dir zu Diensten, Mama?«

»Nu nee — ich weeß nich recht, ich mecht wohl mal e Wertchen mir Dir alleene sprech'n, Jucunda ... Entschuldigen Se nur, meine Herrschaft'n — aber kannste nich e bißchen mit mir uff de Straße 'nunter kommen, Kind?«

»O bitte, gnädige Frau, wenn Sie mit Ihrem Fräulein Tochter etwas unter vier Augen zu besprechen haben« — fiel Hans Thumser ein — »meine Stube ist nebenan, die steht Ihnen mit Vergnügen zur Verfügung — darf ich Mutter Ach — Frau Wehe, wollt' ich sagen, darf ich ihr Auftrag geben, daß sie Licht macht?«

Jucunda dankte mit einem Lächeln, kühl und hoheitsvoll, wie nie zuvor, als gälte es, den etwas befremdlichen Eindruck, den das Erscheinen ihrer Mutter gemacht, durch doppelt königliches Wesen wettzumachen. Und Hans und Asta blieben allein zurück.