Martin Flamberg stand abseits und beobachtete, das leise, ironische Lächeln des Menschenkenners auf den Lippen, mit scharfem Auge, dem nichts entging ... das durch all die korrekten Formen und Formeln in die Tiefe drang und das Ganze des Menschen packte, der sich hinter ihnen barg ...
Und während sein Verstand sich mit skeptischer Ergötzung am Bilde der menschlichen Komödie weidete, erbaute sich das Malerauge an dem farbenbunten Bilde des äußern Geschehens ...
Wie das wogte ringsum ... wie das flimmerte von Kraft und Anmut ... von Farbenglut und flirrendem Lichterspiel ...
Ab und zu warf Martin auch einen Blick durch die halboffene Tür in den Speisesaal. Hier waltete eine Schar von Heinzelmännchen in Ordonnanzlivree und Füsilierrock ihres Amtes. Mit jener Präzision, welche den braunwangigen Burschen auf dem Exerzierplatz eingedrillt worden war, verwandelten sie den Speisesaal in einen Tempel der Tanzmuse. Mit Zauberschnelle verschwanden die geschmückten, silber- und blumenbeladenen Tafeln, mächtige Besen wurden geschwungen, Staubwolken flogen, Stuhlreihen umkränzten die Saalwände.
In den Empfangsräumen trennte sich inzwischen die Gesellschaft nach Geschlechtern, die Damen ins Billardzimmer, wo die Ordonnanzen Tee und Süßigkeiten darreichten, die Herren ins Rauchzimmer zu Schnaps und Nikotin.
Aber einige der keckern Damen überschritten doch bald wieder den Trennstrich der Geschlechter, unter dem Vorwand, sich eine Zigarette zu holen, und blieben im Rauchzimmer kleben.
Frau Cäcilie suchte ihren Gatten auf, hängte sich an seinen Arm in dem starken Bedürfnis, sich an ihn anzuschmiegen, jenes Gefühl der Zusammengehörigkeit, das sie bei Tafel so jählings zu ihm hingezogen, auch äußerlich zu betätigen ...
Diesen Augenblick hielt Martin Flamberg für geeignet, sich für die Rosendedikation an seine Braut zu bedanken ...
Mit umschleierten Augen sah Frau Cäcilie ihm entgegen ... Sie hatte ihn seit dem »Firnistag« nicht mehr gesehen ... zehn Tage lang nicht mehr gesehen ...
»Also glücklich vom Urlaub zurück, Herr Flamberg? — Wie geht's — was macht ›Gretchen‹?«