»Na ja,« lenkte der Ältere ein, »im Kriege mögen die Herren ja an ihrem Platze sein, und daß sie brav gefochten haben und als ehrenhafte Soldaten gestorben sind, will ich ja nicht bezweifeln — aber im Frieden tun sie nichts weiter, als den Betrieb stören. Wir sind doch hier wahrhaftig nicht zusammen, um ein bißchen Räuber und Gendarm miteinander zu spielen — wir haben hart zu arbeiten — wir haben die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, binnen zwei Jahren die Hanakenbande, die uns jeden Oktober hierher geschickt wird, zu halbwegs brauchbaren Soldaten zu erziehen — und dabei sind die Herren von der Reserve und Landwehr höchstens hinderlich!«

Blowitz lachte still in sich hinein. Er hatte den Charakter des neuen Regimentskameraden schon einigermaßen durchschaut und wußte, daß es nicht leicht war, ihm irgend etwas recht zu machen.

»Wie viel Herren kommen denn?« fragte Blowitz.

»Ganze sechs!«

»Na, was für Geisteskinder sind es denn?«

»Geben Sie mal acht,« sagte der Oberleutnant und zog den Jüngern ans Fenster, »da hinten unterm Torbogen da versammeln sie sich gerade. Wissen Sie, ich teile die Herren Sommerleutnants in zwei Kategorien ein: die einen sind die, die wenigstens von weitem wie Offiziere aussehen — die andern sind glattweg wandelnde Karikaturen. Nun sehen Sie sich mal die Gesellschaft da hinten an. Ich werde Ihnen zunächst die Karikaturen vorstellen. Also betrachten Sie mal diese Tonne da hinten: das ist der Oberleutnant der Reserve, Herr Brassert, im Zivilverhältnis Gymnasialoberlehrer. Wenn Sie dem einen Stich ins Herz versetzen wollen, dann müssen Sie ihn ›Herr Professor‹ anreden.«

»Warum soll ich ihm denn einen Stich ins Herz versetzen?« erwiderte Blowitz, »er hat mir ja gar nichts getan — aber weiter! Wer ist denn dieser merkwürdig dünne Herr mit dem zapfenartig herunterhängenden Schnurrbart?«

»Ja,« sagte Menshausen, »das ist die Obervogelscheuche unter den Herren — das ist der Forstassessor Troisdorf, ein Rauhbein im Quadrat; ich behaupte, er kann überhaupt kein Wort Hochdeutsch sprechen.«

»Nanu,« meinte Blowitz, »wie ist denn das möglich? Ein Forstassessor ...«

»Na, Sie werden ja hören,« entgegnete Menshausen, »mag sein, daß er im Verkehr mit seinen Waldwärtern und Treibern völlig verbauert ist, jedenfalls spricht er das fürchterlichste Kölnisch, das ich jemals gehört habe.«