»Übrigens wimmelt da ja noch eine dritte Karikatur 'rum.«
»Den Herrn kenn' ich nicht — das ist also jedenfalls der Landwehronkel, der uns angekündigt worden ist — irgend so'n gelehrtes Haus von der Universität — Gehirnfatzke, wie der Simplizissimus sagt!«
»Na, und nun also die halbwegs vernünftig Aussehenden!«
»Ja sehn Sie — da ist zunächst der einzige, der für mich mitzählt, der blonde Herr im Dienstanzug — er macht seine erste Offizierübung — er ist aus dem Regiment hervorgegangen — ein Referendar namens Dormagen — ein einigermaßen tadelloser Herr!«
»So, also das ist Ihr Genre,« sagte Blowitz, »für meinen Geschmack hat er eine ziemliche Ohrfeigenvisage — und der andere daneben, mit dem riesigen, hochaufgedrehten Schnurrbart?«
»Hm — das ist wieder 'ne andere Nummer — das ist der Leutnant Klocke — seines Zeichens das, was ein aktiver Offizier in der Regel erst später zu werden pflegt — nämlich Versicherungsagent! — Na — er macht wenigstens 'ne leidlich militärische Figur — über seine sonstige Persönlichkeit müssen Sie sich selbst ein Urteil bilden!«
»Wer aber«, fragte Blowitz, »ist der blonde Herr, der da eben so strahlend heranfegt?«
Menshausen zögerte einen Augenblick mit der Antwort. »Tja — — das ist sozusagen unser Renommierreserveleutnant — ein sogenanntes berühmtes Tier — das ist der Maler Flamberg —«
»Flamberg?« sagte Blowitz nachsinnend, »woher kenn' ich denn den Namen? — Richtig, jetzt fällt mir's ja ein: auf der Durchreise war ich doch in Berlin und hab' da in einer Ausstellung ein paar gemalte Weiber gesehen — aber — deliziös, sag' ich Ihnen — eine stramme Germanin — und daneben eine fabelhaft pikante Jüdin mit Schultern — Schultern — sag' ich Ihnen! Teufel, die Bilder machen ja ein kolossales Aufsehen! — und das ist also dieser Flamberg?«
»Weiß ich nicht,« sagte Menshausen, »ich verstehe nichts von Kunst — und ob er eine Germanin und eine Jüdin in Berlin aufgehängt hat, ist mir höchst wurscht. Für meine Person kann ich nur behaupten, daß dieser Herr Flamberg mir unter all den Herren von der Reserve der fatalste ist. — Was der Bruder sich schon einbildet auf sein bißchen Pinselei! und dann, wissen Sie: Ansichten! Ich begreife nicht, was so'n sogenannter Künstler überhaupt im preußischen Offizierkorps zu suchen hat. — Der sollte doch ruhig mit seinen Übermenschen und Überweibern zusammenhocken und uns hier in Frieden lassen — na, Sie werden ihn ja kennen lernen.«