Der Hauptmann machte kurz kehrt und ging ohne Gruß in das Rauchzimmer zurück.

»Kennen Sie Frau von Brandeis, lieber Blowitz?« fragte Menshausen leise.

»Wenigstens par renommée,« erwiderte der andere, »soll 'ne Schönheit sein, wie?«

»Schönheit —? viel zu wenig! Die Frau, wissen Sie, das ist — einfach 'ne Sache, verstehen Sie. — — Wie die an dieses schlafmützige Dusseltier, den Brandeis geraten ist, das wissen die Götter! — Stammt aus 'ner schwerreichen Düsseldorfer Fabrikantenfamilie — fabelhaft musikalisch — und ein Temperament —! Wenn ich Brandeis wäre, die ließ ich nicht fünf Minuten aus den Fingern! Na, schließlich so'n Reserveonkel — davor wird sie hoffentlich ihr guter Geschmack bewahren. — Wenn schon — dann soll's wenigstens in der Familie bleiben —!«

In diesem Augenblick trat der Stabshoboist, der Königliche Obermusikmeister Herr Biesicke ein, schritt stramm auf den Kasinovorstand zu und meldete: »Regimentsmusik zur Stelle!«

»Danke, lieber Biesicke! Na, nun können die Herren Kameraden der Reserve und Landwehr meinetwegen anrücken!« — —


Draußen auf dem Kasernenhof lag die Augustsonne in breiten goldenen Flächen ausgegossen — immerfort tauchten in diese gelbe Fläche glitzernde, flimmernde Punkte hinein.

Jetzt kam bei lustigem Pfeifen- und Trommelklang eine Kompagnie mit Staub und Schweiß bedeckt von der Felddienstübung zurück. Der Hauptmann an der Spitze setzte seinen Gaul in Galopp, sprengte bis auf die Mitte des Kasernenhofes vor und kommandierte, daß es schallend an den langen Fronten der Kasernengebäude widerhallte: »Augen — rechts!«

Hei! Da richteten sich all die marschmüden Gestalten noch einmal stramm auf — mit einem Ruck flogen die Köpfe rechts herum, und in flottem Parademarsch zog die gleißende, waffenrasselnde Schar an ihrem Häuptling vorüber.