»Das schließe ich aus dem Schnitt Ihres Kollers und aus dem Modell Ihres Turnierhelms.«
»So — sind die Sachen so auffallend unmodern?« stammelte Frobenius.
»Ja,« entgegnete Finette, »wenn Ihre Kenntnis des Exerzierreglements im selben Maße mit der Neuzeit fortgeschritten ist, dann werden ja die Herren Füsiliere viel Vergnügen an Ihnen erleben!«
Flamberg kam ihm wiederum zu Hilfe: »Lieber Finette, wenn Sie mal ein so altes Patent haben werden wie der Herr Kamerad Frobenius, dann haben Sie längst wegen unheilbarer Revolverschnauze den Abschied — — und kommen also gar nicht in die Verlegenheit, sich von einem jungen Dachs wegen Auftragens älterer Garnituren anulken lassen zu müssen,« sagte er mit liebenswürdigem Lächeln, doch scharf genug, daß Finette verstand.
Der aber war nicht aus der Fassung zu bringen. Im echtesten Tonfall seiner Heimatstadt Köln erwiderte er: »Is ja halb so schlimm gemeint, nit wahr, Herr Frobenius? lohß mer uns widder verdrage, nit?«
Er streckte dem Privatdozenten die schlanke Hand hin, die dieser krampfhaft schüttelte.
Immer mehr Kompagnien kamen jetzt von der Morgenarbeit zurück. Die Offiziere, von ihren Hauptleuten verabschiedet, traten einer nach dem andern heran und begrüßten die eingezogenen Herren.
Frobenius beobachtete mit Genugtuung, daß das kameradschaftliche Verhältnis zwischen den aktiven Herren und denen der Reserve ein sehr gutes zu sein schien — nur er, der allein nicht die Regimentschiffre trug, das Monogramm des Chefs, des Prinzen Heinrich der Niederlande, nur er allein wurde mit einer gewissen Zurückhaltung behandelt, zu der allerdings, wie er sich selbst nicht verhehlte, sein verbotenes Exterieur einigermaßen beitragen mochte.
Auch die Stabsoffiziere fanden sich ein: der martialisch kurzangebundene Oberstleutnant Rautz — dann der Kommandeur des ersten Bataillons, Major von Sassenbach, ein alter Troupier mit ausgewettertem Gesicht und langflatternden grauen Schnurrbartzipfeln — Major Blasberg, der das zweite Bataillon führte, ein hagerer reservierter Diplomat — und endlich kam gar mit klingendem Spiel der Regimentsmusik das ganze dritte Bataillon von der Felddienstübung zurück, voran der Kommandeur: der kleine rauhbeinige Major von Czigorski, der mit hellkrähender Stimme den Parademarsch befahl, auf seinem riesigen Schimmel, den seine dicken Beinchen kaum umspannen konnten, und mit behaglichem Stolz den Vorübermarsch sämtlicher Kompagnieen ansah, bis hinunter zur zwölften, der Kompagnie der ganz kleinen Kerle, die aber als die strammste im ganzen Regiment galt.
So rollte sich vor den Augen der eingerückten Herren das ganze, vertraute, farbenfrohe Schauspiel des militärischen Lebens ab, und mit Freude sogen Martin Flambergs Malersinne den glitzernden Schmelz, die schmetternden Geräusche, den herben Duft des kriegerischen Bildes ein.