Vom Kasino her kam der Hauptmann von Brandeis, des Malers alter Freund und Gönner, und schritt geradenwegs auf ihn zu. Flamberg hatte bereits auf dem Regimentsbureau in Erfahrung gebracht, daß er wieder bei der Ersten üben würde, und freute sich dessen; denn er hatte sich während jener ersten acht Wochen unter Brandeis vorzüglich mit ihm vertragen. In dienstlicher Haltung trat er dem Kapitän entgegen: »Melde mich ganz gehorsamst zur achtwöchigen Übung eingezogen und der ersten Kompagnie zugeteilt.«
»Danke Ihnen, lieber Flamberg,« lächelte Brandeis und streckte ihm freundschaftlich die Hand entgegen, »seien Sie mir wieder einmal willkommen bei der Königlichen Ersten! Na, wir werden ja hoffentlich ein schönes Manöver haben — der Hunsrück ist nicht das Schlimmste — erinnern Sie sich, was wir vor vier Jahren haben in der Eifel ausstehen müssen?«
»Jawohl, Herr Hauptmann — Köttelbach — Katzwinkel — Beinhausen — und Gefell — schöne Gegend!«
»Stimmt! — wenn Ihre Kochkunst und Ihre wohlassortierte Wein- und Menagekiste nicht gewesen wäre, wär's uns dreckig gegangen — habe später oft Sehnsucht nach den Fleischtöpfen Flambergs gehabt.«
»Herr Hauptmann wissen, daß ich ein Feldsoldat bin und auch mal das Koppel enger schnallen kann, ohne gleich die Nase in den Dreck hängen zu lassen, wenn's sein muß — aber wenn's nicht sein muß, dann bin ich allerdings mehr für Luxus und Wohlleben, offen gestanden.«
»Ganz Ihrer Meinung, lieber Flamberg, und um gleich einen guten Anfang zu machen, bitte ich Sie, heut mittag bei der Begrüßungstafel mein Gast zu sein.«
»Ich danke gehorsamst, Herr Hauptmann!«
»Und im übrigen: nochmals willkommen und auf gute Freundschaft! — Aber da kommt unser neuer Herr Regimentskommandeur — die Herren werden sich melden müssen. Auf Wiedersehn also hernach im Kasino!«
Mit rascher Prüfung, nicht ohne einige Spannung, schauten die sechs Augenpaare der eingezogenen Offiziere des Beurlaubtenstandes der Ankunft des neuen Regimentskommandeurs entgegen. Von den aktiven Herren hatten sie bereits genug über ihn gehört, um zu wissen, daß er keinen Spaß verstehe.
Der Oberst Freiherr von Weizsäcker war aus der hessischen Armee hervorgegangen und trug zwischen seinen Rippen noch zwei preußische Kugeln, die er am 13. Juli 1866 als hessischer Leutnant im Gefecht bei Frohnhofen und Lauffach erhalten hatte. Dazu schmückte ihn das Eiserne Kreuz erster Klasse, das er als Führer einer preußischen Kompagnie bei Gravelotte erworben. So verkörperte er in seiner Person ein ganzes Stück der Geschichte deutscher Einigungskämpfe.