So, dachte Nelly, nun sprich du ... nun sprich!

Aber Wilhelm Frobenius sprach nicht.

Der Mund, der so beredt vom Katheder hernieder die Herrlichkeiten der Dichtung lauschenden Hörerscharen zu erschließen wußte, der noch vor wenigen Minuten drunten bei Tafel nicht müde geworden war des feinsinnigen Geplauders über allerhand schöne und gute Dinge, ernste Fragen des Lebens, der Wissenschaft, der Kunst ... der Mund war verstummt.

Die haarige Rechte rieb mechanisch, unbeholfen die dick aufquellende Beule an Stirn und Nasenrücken —

»Haben Sie sich weh getan?«

»Ich sehe nicht das mindeste ... ich bin reinweg wie blind!«

So jämmerlich hatte das geklungen — Nelly mußte laut auflachen —

Du großer tapriger, hilfloser Junge du ... nun, wenn du nicht sehen kannst, sollst du wenigstens fühlen! — Jedenfalls unverlobt geh ich nicht wieder hinunter ...!

Und mit einer raschen, wie besitzergreifenden Bewegung schob sie ihre Hand in des Mannes Arm, lehnte sich fest an seine Schulter.

Da warf es den langen Gesellen auf einmal um ... Wie ein schmachtender, stammelnder Knabe neigte er sich tief, tief hernieder, drückte seine Lippen auf den festen Arm. »Gott ... Fräulein Nelly ... Nelly ...!«