»Lieber Brandeis, Ihr Wunsch ist mir heute Befehl — aber jetzt wird's wirklich Zeit für uns alle! — Also — gute Nacht, mein Verehrtester ...! es war einfach feenhaft ... direkt chimborassomäßig war's ... verstehn Sie mich ...? Aber nun Schluß! — Und meine Herren Adjutanten werden sich auch schlafen legen, sonst werden morgen meine sämtlichen Befehle falsch ausgerichtet!«

Gott sei Dank ... nun wurde Ruhe ... nun konnte man denken ... Entschlüsse fassen ... die unvermeidlichen Entschlüsse ...

Leise ... ganz leise klinkte Fritz von Brandeis die Tür zum Schlafzimmer auf ... lauschte angespannt in das dunkle Gemach hinein ... lauschte auf Cäciliens Atemzüge ...

Vielleicht schlief sie wirklich ... vielleicht hatte es sie übermannt ... es wäre das Beste gewesen ... er fühlte sich so todesmatt ... so widerstandsunfähig ...

Jetzt nicht mehr fragen ... jetzt nicht mehr Antwort hören ... und wägen müssen ...!

Gott, wenn sie doch schliefe! — Dann würde er sich in seinem Zimmer auf das kühle Bismarcksofa werfen ... sich in eine Decke wickeln ... und schlafen ... schlafen ... schlafen ...

Wozu noch lange fragen?! — Was er wissen mußte, wußte er ja doch ... Er wußte, daß Raub verübt worden war an seinem Allerheiligsten ... wußte, daß er morgen Rechenschaft fordern würde für diesen Raub ... morgen, wenn es Tag war ... blutige Rechenschaft ... Rechenschaft fordern mit Einsetzung seines eigenen Lebens ... Und vielleicht war's am besten für ihn, wenn's ihn dann traf ... Sein Leben war ja doch besudelt ... verspielt ... verloren ...

Kein Laut war vernehmbar ... nicht der leiseste Laut ...

Herrgott — plötzlich — ein Gedanke — — Nein ... das nicht ... das um Himmels willen nicht ...!!

Mit raschen, leisen Schritten trat Brandeis zu seinem Nachttischchen, drehte die Birne des rotumschirmten Stehlämpchens auf ...