Und auch das junge Weib an der Seite des Mannes schien die Uniformherrlichkeit ihres Erkorenen nicht allzu tragisch zu nehmen; denn jedesmal, wenn ein Unteroffizier oder Soldat in die maskenhaft erstarrte Haltung der Ehrenbezeugung vor ihrem Gefährten zusammenfuhr, konnte sie nur mit Mühe ein Lächeln verbergen, das plötzlich ihr tränenzuckendes Gesichtchen überzog; und diesem Gefühl gab sie Ausdruck: »Weißt du, Martin, ich will ja nicht behaupten, daß dir die Uniform nicht stände, aber — sei mir nicht böse — in Zivil gefällst du mir zehnmal besser!«

»Das glaub' ich«, lachte ihr Verlobter. »Ich hab' den Rock Seiner Majestät fünf Jahre lang nur mal gelegentlich zu Offizier- und Kontrollversammlungen getragen! — aber laß mich nur erst mal ein paar Wochen wieder drin stecken! Gib acht, wenn ich nächstens auf Urlaub zu dir komme, dann sollst du dich deines Reservemannes nicht zu schämen brauchen.«

»Ach ja,« sagte das Mädchen, »komm recht bald, sonst halt' ich's nicht aus ... du gehst ja fort, Liebster, du gehst fort ... ach, ich darf gar nicht dran denken, sonst —«

»Aber Mädel,« sagte Martin, »aber Mädel —«

Wieder blitzten Tränen aus den leuchtenden Augen der Braut.

»Weißt du denn nicht,« fuhr er fort, »was morgen in acht Wochen ist?!«

Da schlug Agathe die Augen nieder unter dem hoffenden, verlangenden Blick, der sie getroffen, und konnte nicht wehren, daß ein feines Rot immer tiefer ihre flaumigen Bäckchen überzog. »Ach, Martin, ich glaub's ja nicht eher, als bis wir endlich so weit sind ... eher glaub' ich's nicht ...«

»Na freilich, lang genug hat's gedauert, bis die Herren Eltern eingesehen haben, daß ein Maler nicht notwendig der Antichrist in Person ist —!«

Eine Wolke finstern Unmuts lag auf einmal unter dem blitzenden Lackschirm der Offiziermütze. Sie sprach von kaum verwundenen Bitterkeiten ... von harten Kämpfen um ein endlich doch ertrotztes Glück ... Die lachenden Lippen hatten sich jählings fest geschlossen, und unwillkürlich stieß die Linke die Säbelscheide klirrend auf die Fliesen des Bahnsteigs.

»Laß, Liebster,« mahnte die Braut erschrocken, »jetzt nicht daran denken ... ist ja nun alles überstanden!«