Um die fünfte Morgenstunde dämmerte Wilhelm Frobenius mit wüstem Kopf aus schwerem Traum empor. Es hatte erst sanft, dann recht energisch an die Tür geklopft — er fuhr auf, starrte in dem engen Gelaß umher, daß ihn umschloß, und konnte sich nicht enträtseln, wie er eigentlich in diese nüchterne, unbehagliche Umgebung geraten war.

Plötzlich fiel's ihm ein: ach, du lieber Himmel — du bist ja in der Garnison — und — o Schauder — gleich geht's zu Pferd!

»Herr Leu'nant — et is höchste Zeit für uffz'stehn!« mahnte von draußen eine ihm völlig fremde Stimme.

Das mußte der Bursche sein. Herrgott, wie der Schädel brummte.

Er fuhr mit den dünnen, haarigen Beinen aus der Decke hervor, fühlte sich geniert durch den ungewohnten Gedanken, nun im Nachthemde vor den fremden jungen Menschen hintreten zu sollen, zog erst Unterhosen und Strümpfe an und schlurrte dann zur Tür. Kaum hatte er sie geöffnet, da schoß mit energischem Ruck ein junger, rotblonder, sommersprossiger Gesell herein, die Feldmütze auf dem Kopf, die Drillichhose schon in den langschäftigen Stiefeln steckend. Er schlug krachend die Absätze zusammen und meldete: »Füselier Schmitz als Bursch bei de Herr Leu'nant kommediert!«

»Schön, schön,« sagte Frobenius verlegen, »also Sie sind Schmitz, schön, schön. Was gibt's denn heute morgen?«

»Sechs Uhr fufzehn Abmarsch in't Jelände zur Ausbildung im Entfernungschätzen!«

»Ach ja — ganz richtig — also sehen Sie, da ist mein Koffer — den packen Sie mal zuerst aus.«

Und während der Bursche sich anstellig und geräuschlos anschickte, die Habseligkeiten seines neuen Herrn aus dem vorsintflutlichen Reisekoffer zu entwickeln, kühlte Wilhelm Frobenius sein schmerzendes Haupt — immer neue Schwämme drückte er über den Nacken aus, daß das Stübchen schwamm, aber der dumpfe Druck im Schädel wollte nicht weichen — und noch weniger der dumpfe Druck in der Herzgegend — vor seiner Phantasie aber stand das Bild des Augenblicks, wo er das wilde, gefährliche Tier besteigen würde, das dem Menschen nach dem Leben trachtet.

Herrgott, wie die funkelnagelneuen Reitstiefel drückten — wie der steife Lederbesatz der Reithose die Schenkel scheuerte — wie entsetzlich das war, durch die Stube zu schreiten mit den klirrenden Sporen, die sich immerfort ineinander verfingen!