»Na, Alter — wie wär's mit 'nem Galöppchen?«
Nelly von Sassenbach ritt zur Rechten ihres Vaters. Sie war heute morgen gar nicht mit ihrem Alten zufrieden — sonst waren er und sie immer für scharfes Tempo, und Molly, die um sieben Jahre jüngere Schwester, die sich auf dem Gaul weit weniger zu Hause fühlte, war immer wie zerschlagen, wenn sie vom gemeinsamen Ritt mit Vater und Schwester heimkam.
Aber heute war der Major nicht aus dem Schritt zu bringen — und auch jetzt brummte er auf die Zumutung seiner Ältesten zum Angaloppieren irgend etwas Unverständliches in die melancholisch niederhängenden Schnurrbartzipfel hinein, nahm gleichzeitig die Mütze ab und tupfte den Schweiß von der Stirn, obgleich die Spätsommersonne kaum die Frühnebel zu besiegen begann.
»Aha,« sagte Nelly, »du hast Kater, Alter, ich merk's schon — was war denn gestern los im Kasino?«
»Na, was wird los gewesen sein — die Herren von der Reserve und Landwehr wurden angefeiert — das war alles!«
»So,« sagte Nelly, »und deshalb war der Oberst zu Tisch gekommen?«
»Der Oberst — wieso — wie kommst du denn auf die Idee, Mädel?«
»Aber Alter!« lachte Nelly verschmitzt, »ich hab doch gestern selbst gehört, wie du Mama erklärt hast, du kämest nicht zum Mittagessen, weil der Oberst im Kasino speise und dich zu Tisch eingeladen habe.«
»Ei verflucht —« knurrte der Major, »na also, daß ihr's wißt, Kinder — das war geschwindelt, weil ich sonst — hm, hm — schwerlich Urlaub bekommen hätte. Daß ihr mir aber reinen Mund haltet! — besonders du, Nesthäkchen!«
Die blonde Molly antwortete nicht, verzog den Mund in einer Manier, die der Vater gar zu gut kannte; denn sie war restlos von der Mutter auf die Tochter vererbt worden — nur daß es doch ein Unterschied war, ob die bewußte Falte rechts und links von einer Neunzehnjährigen oder einer Achtundvierzigjährigen Munde stand.