»Also die Reserveoffiziere kommen auch zum Regimentsfest?« fragte Nelly weiter, »das ist ja 'n wahrer Segen — dann bekommt man doch endlich mal 'n paar andere Gespräche zu hören, als ewig Avancement — Kommandos — Vorderleute — und den übrigen Kommißtratsch. Wenn man das, wie ich, bereits sieben Saisons hindurch genossen hat, dann lechzt man geradezu nach Abwechslung.«
»Tja, Mädel,« knurrte der Major, »warum hast du nicht längst geheiratet?«
»Warum ich nicht geheiratet habe? — Na, Vater, ich meine, das müßtest du doch wissen!«
»Is ja wahrhaftig 'ne Schande,« brummte der Major, »Mädel wie 'ne Tanne — firm auf dem Gaul und in der Küche — Kommißvermögen dreidoppelt vorhanden, dank meiner seinerzeitigen Vorsicht in der Auswahl des Schwiegerpapas — mit einem Worte: alles da! — Und ihr Mädels bleibt liegen wie die trocknen Semmeln!«
»Na, an mir hat's doch wahrhaftig nicht gelegen,« schmollte Nelly.
»Ne, ich weiß schon — du kannst nichts dazu!« Der Major griff sich mit drei Fingern in den Rockkragen, als sei der zu eng geworden. »Du kannst nichts dazu!«
Molly rückte ungeduldig auf ihrem Sattel hin und her: »Möchtest du mir nicht den Gefallen tun, Papa, und in meiner Gegenwart von Mama nicht so respektlos sprechen — du weißt, das schmerzt mich.«
»Nanu — hab ja kein Wort gesagt!«
»O — ich hab dich sehr gut verstanden. Wenn Mama zuweilen etwas abwehrend gegenüber gewissen Herren gewesen ist, die sich um uns bemüht haben, so hat sie es jedenfalls sehr gut gemeint — und soweit ich's beurteilen kann, ist es immer zu unserm Glück gewesen, daß aus den Partien nichts geworden ist, die Mama abgelehnt hat.«
Nelly warf dem Vater einen verständnisvollen, der Schwester einen bitterbösen Blick zu.