»Ja, Kinder, nun wird uns doch nichts übrig bleiben, als ein kleines Träbchen zu riskieren, sonst geraten die Erste und die Zweite aneinander, ehe der Kommandeur zur Stelle ist!«
Und in der Tat — vom Exerzierplatz herüber klangen vereinzelte Schüsse, die bald lebhafter wurden: die beiden Kompagnieen, welche heute Gefechtsübung miteinander vereinbart hatten, mußten also bereits Fühlung gewonnen haben.
Schweigend trabte der Major inmitten seiner Töchter die Chaussee entlang.
Die Sonne hatte sich inzwischen durchgekämpft ... das Bild der Landschaft entrollte sich in leuchtender Lieblichkeit ... zur Rechten die dunkeln Waldberge ... zur Linken die abgeernteten fahlgelben Ackerbreiten, die sich zum Tal herniedersenkten, wo längs des blinkenden Flußstreifs die Türme und qualmenden Schornsteine der Garnisonstadt aus fahlem Dunste stiegen, der noch drunten lagerte ... Geradeaus vor den Reitern zog sich die Chaussee in schnurgerader Linie einen Hügel hinan, hinter dem das Wegekreuz lag und weiterhin der Exerzierplatz sich dehnte ...
Jetzt schollen aus der Ferne rasche Hufschläge.
»Aha — hört ihr?« sagte der Major, »das muß Blowitz sein! Gewiß kommt er mir entgegen, um mich zur Eile anzuspornen, weil's dahinten schon losgeht!«
In diesem Augenblick tauchte ganz, ganz hinten, wo die Chausseebäume sich zu einem dunkeln Strich längs des gelben Wegstreifens zusammenschlossen, ein Reiter auf ... nein ... ein Reiter schien's nicht zu sein ... ein herrenloses Pferd, das in rasender Karriere den sanft sich senkenden Hang heruntertobte.
Aber nein ... der Sattel war ja nicht leer ... es sah aus, als baumele ein dunkler Sack auf dem Pferderücken hin und her ...
Nun auf einmal enthüllte sich das ganze Schrecknis ... der Gaul mußte durchgegangen sein und der Reiter die Herrschaft völlig verloren haben ...
Wahrhaftig! ... Ein Offizier! ...